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Eine kurze Erklärung zur Zeitstellung der Steinzeit finden Sie  hier
Die Themen können nach Steinzeitepochen geordnet werden (Auswahl). Weiter unten finden Sie Erklärungen zu Ort, Gruppengrößen, Schwierigkeitsgrad, Materialeinsatz und Zeitraum der Angebote. Blumammu bietet ein "Standard-Programm", welches viele der Themen (in kompakter Form) in einem Termin beinhaltet. Interessiert Sie ein Thema, erwähnen Sie die betreffende Zahl als Referenz in einer Nachricht. Die Mehrzahl der Angebote lassen sich inkl. Material über die Tagespauschalen (siehe oben unter Service) abrechnen. Ausnahmen bilden die Birkenpech-Herstellung und Hirschzerlegung; sie bedürfen gesonderter Angebote.

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Standard

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Feuer machen

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Nahrung zubereiten

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Waffen

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Farbe

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Feuersteinmesser und Beil

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Birkenpech

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Feuersteinbearbeitung

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Im Erdloch kochen

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Knochen und Geweih

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Kleidung

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Schmuck

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Baum fÄllen

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Schamanismus

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Hirsch zerwirken

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Musik

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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      In-/Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 30 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Mäßig ⎮ Zeitraum: 2-8 h ⎮ Material: Verschiedene ⎮ Kosten: Pauschal ⎮

Standard-Programm

Der erste Teil eines Standard-Termins beginnt mit der Essenszubereitung einer Steinzeitsuppe und allem, was dazu in der Steinzeit nötig war, ohne Strom, Eisen, Kochherd und Kochtopf.

Ein weiterer Schritt in der Evolution dieses Termins ist der Teil, in welchem Farbe zum Einsatz kommt. Das kann Rötel sein, Hämatit und Holzkohle, manchmal auch Kreide. Mit diesen Farben, trocken oder mit Wasser vermischt, malt BLUMAMMU sich an, färbt sich die Haare, kaut Farbe, sprüht sie auf seine Hände als Negativabdruck und lässt der Kreativität des Mitwirkenden freien Lauf, sofern diese es möchten. Die Farben sind ungiftig und auswaschbar, weil Wasserfarben.

Felle, Leder und Bälge kommen zum Einsatz, zum anfassen, anziehen, anriechen. Geweih und Horn, Sehnen und Knochen werden anhand von konkreten Werkzeugen, welche alle funktionstüchtig sind, erklärt.

Feuersteinbeile dienen tatsächlich zum Fällen, wenn ein Baum da wäre. Eine Baumfällaktion kann mit einer Gruppe von 30 Personen etwa eine Stunde dauern (unter Anleitung).

Steinbohrer, Spielzeug, Musikinstrumente und Waffen, alles „echt“ und gebraucht, kindererprobt. Waffentechnik wird am Objekt anhand von Schüssen auf Plüschbären erklärt, immer bedacht auf Risikominimierung. Des weiteren erläutern verschiedene authentische Kleidungen aus Leder und Fell die Ausstattung und Technik eines Eiszeitjägers, eines Waldjägers und des sogenannten „Ötzi’s“. Die Kleidungsstücke können von den Teilnehmern angezogen werden. Dann das Schamanisieren. Die Dinge werden in lockerer Weise erklärt und können ausprobiert werden. Hier kommt sehr viel Hintergrundwissen und die Erfahrung BLUMAMMU’s zur Geltung.

Getreide auf einer Steinreibe mahlen, aus dem Mehl mittels Honig und Milch eine Art Müsli-Riegel formen und auf einem heißen Stein backen. Das Schiessen mit Bogen und Speerschleuder im Gelände in der Gruppe. Es werden 3 Gruppen gebildet, welche eingewiesen werden und auf ein Ziel, unter Aufsicht und Anleitung, schiessen.

In Gruppen bis zu 10 Personen kann das Feuermachen mit Feuerstein, Markasit und Zunder erprobt werden. Für größere Gruppen ist leider nicht das viele Material zu Verfügung.

Weiterführende Literatur:
Jan Carstensen, Uwe Meiners, Ruth-E. Mohrmann (Hrsg.)
Living History im Museum
Möglichkeiten und Grenzen einer populären Vermittlungsform

2008, Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, Band 111, 176 Seiten, broschiert, mit 60 Abbildungen, 24,90 €, ISBN 978-3-8309-2029-8


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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 8 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Anspruchsvoll ⎮ Zeitraum: 1-2 h ⎮ Material: Brennholz, Heu, Markasit, Zunder ⎮

Feuer machen

Vier Dinge sind wichtig bei der steinzeitlichen Methode des Feuermachens: Markasit (ein Pyrit), Zunder (ein Baumpilz) und Contenance (ein französisches Wort). Kein Feuerstein (tu wech).

Feuer

Mittels eines spitzigen Gegenstands werden Funken von aufgeschlagenem Markasit abgeschlagen, welche auf Zunderpilz fallen. Irgendwann bleibt ein Funke hängen und erzeugt einen Glimmbrand. Dieser breitet sich aus und wird nun mittels Pusten und Samen des Rohrkolbens vergrößert. Sobald die Glut absehbar größer ist, wird trockenes Heu, Moos oder Birkenrinde angereicht. Die Glut und das stetige Pusten lassen das Gebinde zu einer offenen Flamme umschlagen.

An dieser offenen Flamme entzündet der User nun weitere Brennstoffe. Eine Folge verschiedener Materialien erzeugen ein offenes Feuer. Das eigentliche Feuer entsteht schon durch die Funken. Steinzeit: ein Muss. Heute: Netter Versuch.

Die einzig wahren Outdoorler, welche ich kenne und die im Wald Feuer machen, sind sogenannte "Berber". Sie haben im Sommer in abgeschiedenen Waldgebieten ein Biwak und leben dort auch. Man geht sich aus dem Weg.

Weiterführende Literatur:
Bertrand Roussel, Sylvie Rapior, Christian-Louis Masson et Paul Boutié
L'Amadouvier
Grande et petite histoire d'un champignon
Éditeur: Société d'Horticulture et d'Histoire Naturelle de l'Hérault - Institut de Botanique
163, rue Auguste Broussonnet - 34000 Montpellier

Link auf YouTube Blumammu Feuermachen

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      ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 10 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Mäßig ⎮ Zeitraum: 1-2 h ⎮ Material: Brennholz, Teig, Getreide, Mahlstein, Feuer ⎮

Nahrung zubereiten

Wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen von Oliver Gerke

Die Ernährung im Jungpaläolithikum in Mitteleuropa didaktisch reflektiert im Hinblick auf den Sachunterricht. (Auszüge)

"Die Steinzeit ist ein langer Zeitraum, die den bisher längsten Abschnitt der Menschheitsgeschichte ausmacht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Zeit in sehr viele einzelne Epochen und Kulturen unterteilbar ist und dass man sie aus so vielen unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann. hinzu kommt, dass die Epochen der Steinzeit erstens in allen Regionen der Erde variieren und zweitens, dass es sehr viele unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze und Theorien über die Entwicklung} des Menschen gibt und sich diese oft aufs heftigste widersprechen. Betrachtet man die Steinzeit unter dem Aspekt der Ernährung, merkt man schnell, dass man nicht umhin kommt die Thematik zeitlich und räumlich einzugrenzen. Daher wurde die vorliegende Arbeit nur in Bezug auf die Zeit des Jungpaläolithikums geschrieben. Der Zeitraum wurde aus mehreren Gründen ausgewählt:

Vor Beginn des Jungpaläolithikums gab es den modernen Homo sapiens sapiens noch nicht. Der Homo sapiens sapiens war zunehmend auf gegarte Kost angewiesen und hatte schon eine darauf ausgerichtete Verdauung.

Mit dem Alt- und Mittelpaläolithikum ist auch das Mesolithikum und das Neolithikum auszuschließen. Durch die entstehende Agrargesellschaft änderte sich die Ernährungssituation völlig, so dass man schon damals Nahrung ähnlich anbaute, verarbeitete und gleiche Nahrungsquellen bevorzugte, wie heute. So ist ein deutlicher Unterschied in der Ernährung des damaligen mitteleuropäischen Homo sapiens sapiens zu heute besonders gut im Jungpaläolithikum zu erkennen, als der Mensch noch als Jäger und Sammler und zudem in einer Eiszeit lebte. Dieser extreme Unterschied in der Ernährung ist auch für Kinder leicht nachzuvollziehen und vor allem interessanter, als eine sehr ähnliche Ernährung, wie sie im warmzeitlichen Neolithikum stattfand.

Das Thema wurde räumlich eingegrenzt. Die Wahl fiel aus zwei Gründen auf Mitteleuropa: Die einzelnen steinzeitlichen Epochen in verschiedenen Regionen der Erde differieren zeitlich. In einigen Kulturen wird bis heute noch gejagt und gesammelt.

Der Sachverhalt der Ernährung wurde herausgegriffen, weil in unserer heutigen technisch hochentwickelten Gesellschaft die Ernährung immer unnatürlicher und undurchsichtiger wird. Deshalb ist es wichtig, sich von Kindheit an schon mit der Ernährung zu befassen, um nicht, wie es heute oft der Fall ist, an Leiden der Wohlstandsgesellschaft, wie Übergewicht oder Allergien, zu erkranken. Essen ist schließlich eine lebensnotwendige Tätigkeit, die den Menschen durch das ganze Leben begleitet. Der Grundstein für falsche Essgewohnheiten kann bereits in der Jugend gelegt werden. Durch den Kontext der Eiszeit bekommen Kinder einen interessanteren Bezugspunkt zur Ernährung und gleichzeitig können gänzlich andere, vielleicht sogar gesündere, Alternativen zur eigenen Ernährung aufgezeigt werden. In Anbetracht des Themas erleben die Kinder ihre eigenen Vorfahren, als eine fremde, an diesem Ort, aber zu einer anderen Zeit lebende Kultur. Es wird ihnen so ermöglicht dem Fremden unvoreingenommener gegenüber zu stehen und Schlagworte wie „Fortschritt" und „Primitivität" mit angemessener Sorgfalt zu verwenden. Die zentralen Fragestellungen, die hierbei entstehen lauten: Kann ein Zusammenhang des Themas zum Sachunterricht in der Grundschule hergestellt werden? Welche Lernmöglichkeiten haben Kinder anhand des Themas und wie lassen sich diese sinnvoll umsetzen?

Der Mensch während der Eiszeit

Die Lebensweise als Jäger und Sammler macht 99% der menschlichen Geschichte aus. Die jahreszeitlich bedingten Wanderungen der Tierherden bestimmten den Lebensrhythmus der damaligen Menschen. Dieser war völlig anders als der der heutigen Menschen. Beispielsweise wird es schwer sein, unseren Begriff von Arbeit und Freizeit in diese Lebensweise zu übertragen.

Die damalige Landschaft, war vergleichbar mit Tundralandschaften, wie sie heute noch in Regionen wie Kanada zu finden sind. Allein dies erfordert viel Fantasie, ebenso wie die Vorstellung, dass die Menschen damals mit Gegenständen und Lebensumständen umgingen, die es heute gar nicht mehr gibt. Besonders Kinder können sich kaum vorstellen, dass es in einer Eiszeit Sachen nicht gab, die für sie heute alltäglich sind. Dazu gehören auch Dinge, die es sogar schon in der Jungsteinzeit gab, beispielsweise Keramik, Ackerbau, Viehzucht, heutige Haustiere, Pfeil und Bogen und Textilien. Dabei waren die Menschen damals körperlich und geistig schon genau so weit entwickelt wie wir heute. Kulturelle Leistungen wie die Höhlenmalereien von Altamira vor rund 25.000 Jahren und aufwendige Bestattungsriten belegen dies. Ein Mensch der damaligen Zeit könnte auch heute unter uns leben ohne aufzufallen.

Nahrung formte unseren Kauapparat

Die ersten Homo sapiens sapiens vor ungefähr 45.000 Jahren hatten folgende anatomische Änderungen gegenüber früheren Menschenformen aufzuweisen: Der gesamte Kauapparat, das heißt der Kiefer und die Zähne waren wesentlich kleiner als bei seinen Vorfahren, so dass die großen Knochenwülste am Schädel zur Befestigung von starken Kaumuskeln wegfielen. Sein Gehirn war ca. 1,5 kg schwer und um diese Massen zu beherbergen entstand eine höhere Stirn. So definierte sich unser Aussehen, das sich bis heute nicht geändert hat, bis auf die Zähne, die bis heute immer kleiner werden. Die Zähne des Neandertalers waren um das Doppelte größer als unsere. Auffallend ist, dass sich fast nur noch die an der Nahrungsaufnahme beteiligten Körperregionen in so junger Zeit verändert haben. Die Ernährung formte also zu einem beträchtlichen Teil unser Aussehen. Erstens wurde zunehmend Fleisch gegessen, welches vor allem in gegartem Zustand nicht so hart ist wie einige Pflanzenprodukte und zweitens wird die Nahrung immer häufiger, noch bevor sie in den Mund gelangt, zerkleinert oder zerkocht. Durch ein verändertes Nahrungsangebot fällt der Selektionsdruck auf einen starken Kauapparat weg. Das heißt, Zähne und Kaumuskeln verkümmern. In Gegenden, in denen viele Erdöfen und Kochgruben gefunden wurden, also auch viel Brei und Suppe gegessen wurde, fand man vermehrt zahnlose Skelette.

Ernährungsunterschiede zwischen den Jägern und Sammlern und den Menschen der Agrargesellschaft

Mit der Klimaveränderung, am Ende des Jungpaläolithikums, verschwand das Jäger und Sammlertum und Ackerbau und Viehzucht entstanden. Das hatte eine grundlegende Änderung des Essverhaltens zur Folge. Beispielsweise entwickelte sich erst in der Jungsteinzeit die Fähigkeit Milch zu verdauen. Das Trinken von Milch in größeren Mengen war nur durch eine gezielte Haltung und Zucht von Vieh möglich.

Als die Nahrungsgrundlagen sich änderten veränderte sich auch die Kultur. Während man im Jäger- und Sammlertum für eine erfolgreiche Jagd betete und die Religiosität auf Wildtiere bezog, betete man nun für eine reiche Ernte und hatte religiöse Vorstellungen von Sonne und Regen. Die Kultur der Jungsteinzeit zeigt viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit, so dass wir heutigen Menschen immer weniger Probleme damit haben, uns gedanklich in sie hineinzuversetzen als in die Jüngere Altsteinzeit. Ernährungstechnisch sind im Jungpaläolithikum die größten Unterschiede zur heutigen mitteleuropäischen Ernährung zu verzeichnen.

Grundlagen der Vor- und Frühgeschichtsforschung in Bezug auf die Ernährung

Es gibt verschiedene Methoden etwas über vor- und frühgeschichtliches Leben zu erfahren. Am Anfang einer Untersuchung steht meistens eine Ausgrabung. Bei Ausgrabungen handelt es sich um ein behutsames Freilegen der Fundstücke mit winzigen Pinseln und Spachteln, damit möglichst wenig an den Fundstücken beschädigt wird und zwar Quadratzentimeter für Quadratzentimeter. Nicht nur Dinge, die in der Erde gefunden werden, sondern auch Verfärbungen im Boden oder auffällige Anordnungen von Pflanzen und Steinen können ein Indiz dafür sein, dass hier vor längst vergangener Zeit Menschen wohnten. Dies zu überprüfen ist die Aufgabe eines Archäologen. Ein Archäologe hat es dann meistens nicht mit vollständig erhaltenen Fundstücken oder gar Schätzen zu tun, sondern oft nur mit Knochen von verstorbenen Menschen oder Resten von Tierknochen. Unwillkürlich entstandene Steinsplitter lassen sich, für Laien, nicht leicht von behauenen Steinen unterscheiden und das meiste aus organischem Material, außer Knochen, Geweih und Zähnen, ist sowieso schon längst verrottet.

Datierungsmethoden

Da mehrere zehntausend Jahre alte Funde oft kein Material mehr enthalten, das sich direkt datieren lasst, werden nur noch die Ablagerungen, in denen sie sich befinden, untersucht. Zur Datierung gibt es absolute Methoden (Uran - Blei - Datierung, Kalium - Argon - Datierung, Radiocarbon - Datierung, Thermolumineszenz - Datierung und Datierung nach Kernspaltungsspuren) und relative Methoden (Datierung der Fauna, Paläomagnetismus und chemische Methoden). Die wichtigste Methode für den Zeitraum des Jungpaläolithikums ist die Radiocarbon - Datierung, bei der der Anteil an C - 14 - Isotopen in totem organischem Material untersucht wird. Mit ihr lassen sich Funde von bis vor 50.000 Jahren gut datieren.

Funde, die auf bestimmte Nahrungsquellen hindeuten

Ganz bestimmte Fundstücke deuten darauf hin, was die angesiedelten Menschen gegessen haben. Zu diesen Funden gehören:

Jagdwerkzeuge

Oft verwendete man bestimmte Jagdwerkzeuge, um bestimmte Tiere zu erlegen. Zum Beispiel würde das Vorfinden von Fischspeeren erahnen lassen, dass die Menschen Fisch gegessen haben. Ein größerer Speer oder eine Lanze würden wiederum auf die Jagd von größeren Landtieren hindeuten.

Knochen von Tieren

Knochenabfälle verraten, welche Tiere gejagt wurden und darauf befindliche Kratzspuren und Zahnabdrücke sogar, wie sie gegessen wurden. Um genau bestimmen zu können, zu welchem Tier ein gefundener Knochen einst gehörte, muss man seine genaue Zusammensetzung untersuchen. Zu einem Drittel bestehen Knochen aus organischer Substanz, dem Knochenleim. Dieser setzt sich aus Glutin aus dem Knorpel und Chondrin aus dem Knochen zusammen. Kalk und Phosphat bilden die anderen zwei Drittel, die anorganischen Bestandteile. In sauren Böden, werden die Kalkbestandteile im Knochen angegriffen und in basischen Böden wird der Knochenleim angegriffen. Ist noch genug organische Substanz vorhanden, erhält man schneller eine Zuordnung.

Tierknochen zeigen auch die anatomischen Unterschiede der Tiere von früher zu heute auf. Für die Archäozoologie ist die Untersuchung von längst verstorbenen Tieren wichtig. Man kann so erfahren, wie die Tiere zu verschiedenen Zeiten aussahen und wann und wo diese Tiere gelebt haben. Es ist möglich, so den Unterschied der Anatomie und Lebensweise von Warm- zu Kaltzeit abzulesen und auch wie sich die Domestikation auf das betreffende Tier auswirkte, falls es sich beispielsweise um einen Wolf/Hund handelt. Am Leben der Tiere lassen sich wiederum viele Lebensumstände des Menschen erkennen. Wenn in den Abfallhaufen Knochen von Tieren aus allen Jahreszeiten liegen, kann man erkennen, dass die jeweiligen Menschen immer an einem Ort lebten und jahreszeitlich bedingt viele unterschiedliche Tiere aßen und wenn in einem Abfallhaufen viele Knochen von jahreszeitlich bedingt wandernden Tieren, wie zum Beispiel Rentiere liegen, die sich zu jeder Jahreszeit einen günstigeren Lebensraum suchten, kann man davon ausgehen, dass die Menschen hinter den Rentieren herzogen.

Menschenknochen

Interessant, im Bezug auf Ernährung, sind auch die Knochen der Menschen. An ihnen kann man beispielsweise Mangelerscheinungen, Unterernährung, Krankheiten wie Knochenhautentzündungen, Arthritis, Gicht, Rheuma, Tuberkulose, Krebs, und bestimmte Essgewohnheiten feststellen. Bei so bedingten Wachstumsstörungen entstehen feine waagerechte Linien (Harris - Linien) an den Enden der großen Langknochen. Menschen, die im Wohlstand lebten, hatten diese Erscheinungen nicht. In mit zahlreichen Grabbeigaben ausgestatteten Gräbern von reichen Leuten, fand man auch kaum missgebildete Knochen. Wobei man an einigen Knochen auch schon Wohlstandskrankheiten feststellen konnte. Verformungen der Knochen lassen sich oft bei im Winter geborenen Kindern feststellen, da diese Verformungen durch Vitamin - D - Mangel entstehen, welches sich ohne Sonneneinstrahlung nicht bildet. Wucherungen auf Schädel und Langknochen zeigen Blutarmut an. Der Knochen versucht durch die Wucherungen mehr Blut herzustellen.

Vieles lässt sich auch an Zähnen ablesen. Als Ackerbau betrieben wurde, zeigten die Zähne deutliche Abnutzungserscheinungen durch Sandkörner, die durch die Mahlsteine in das Mehl gelangten und deutlich mehr Karies, durch den höheren Verzehr von Kohlehydraten. An Zähnen und Knochen lässt sich selbstverständlich auch das Alter des Menschen zum Zeitpunkt des Todes feststellen. So können Statistiken über das Durchschnittsalter erhoben werden und man kann feststellen, ob alte zahnlose Menschen im Alter noch gepflegt und weiterernährt wurden. Dadurch kann man vieles über die Sozialstruktur erfahren. Überdies fand man auch heraus, dass die Menschen nach der Sesshaftwerdung weniger Arthritis hatten, als ihre jagenden und sammelnden Vorfahren. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass sie ein leichteres, körperlich weniger anstrengendes Leben führten. An den Ansatzstellen der Muskeln und den Gelenkpfannen erkennt man auch die körperlichen Belastungen, denen der Mensch ausgesetzt war. Der Strontiumgehalt der Knochen gibt wiederum darüber Auskunft, ob die ortsansässigen Menschen mehr Fleisch oder mehr Pflanzen gegessen haben und sogar wie lange die Säuglinge gestillt wurden.

Pflanzen

Da pflanzliche Nahrung meist nie so harte Substanzen enthält, die einige Jahrtausende überdauern könnten, sind Funde von pflanzlichen Nahrungsmitteln eher eine Ausnahme. Man erhält einige Informationen durch Pollenanalysen, die man an Ablagerungen von Seen oder Bodenproben durchführt. Reichlich Informationen, über jegliche Nahrung, findet man jedoch in versteinertem, menschlichem Kot, auch Koprolith genannt und im Idealfall im Mageninhalt eines verstorbenen Menschen. In ihm findet man Pflanzenpollen, Kerne und Pasem, kleine Knochen von Tieren und chemische Verbindungen, die beim Verdauen von bestimmter Nahrung entstehen. Man kann so sogar feststellen, ob der betreffende Mensch unter Wurmbefall oder anderen Parasiten litt. Verkohlte Pflanzenreste erhalten sich besser in der Erde, weil sie nicht weiter chemisch angegriffen werden. Sie bilden die wichtigste Informationsquelle über die prähistorische Ernährung.

Darstellungen

Es gibt auch Informationen über die Nahrung der Steinzeitmenschen, die sie uns sogar selber übermittelt haben. Die Rede ist von künstlerischen Darstellungen von Pflanzen und Tieren auf Felswänden oder verzierten Gebrauchsgegenständen. Es wurden oft Tiere gemalt, die häufig gejagt wurden und teilweise sogar die Jagdmethoden. Die Zeichnungen haben nur leider keine quantitative Aussage. Wurde ein Tier gezeichnet, weil es so häufig gejagt wurde oder weil es so selten zu fangen war, so dass man einen Jagdzauber brauchte? Diese Informationen lassen sich aus den Darstellungen leider nicht entnehmen. Es wurden sicherlich auch große Mengen von gesammelten Kleintieren gegessen, doch diese findet man nicht auf Felszeichnungen.

Beobachten von Naturvölkern

Obwohl sich das Leben von Jägern und Sammlern der heutigen Zeit nicht mehr hundertprozentig mit dem der damaligen Menschen vergleichen lässt, ist deren Beobachtung den Vor- und Frühgeschichtsforschern trotzdem eine große Hilfe. Wie sollte ein Forscher, der sein ganzes Leben in einer Großstadt verbracht hat, wissen, wie man ein Rentier zerlegt und welche Nutzgegenstände man aus seinen nichtessbaren Resten herstellen kann?

Inuit

So weiß man beispielsweise, dass die Inuit die noch essbaren Fleischreste (z.B. Markknochen) für eventuelle Notzeiten fein säuberlich von den nicht essbaren (z.B. Sehnen) trennen. In schlechten Zeiten wird dann zum Beispiel das Mark aus den aufbewahrten Knochen gekocht. Man weiß durch die Inuit auch, wie weiträumig Jäger und Sammler ihre Umgebung kennen können, nämlich um die 20.000 Quadratkilometer. Die Inuit, früher Eskimo (übersetzt: Rohfleischesser) genannt, ernährten sich fast ausschließlich von Fleisch. Das tun sie, da sie im nordpolaren Bereich überhaupt keine andere Wahl haben, ähnlich wie unsere Vorfahren in Mitteleuropa. Eine natürliche Tiefkühltruhe für leicht verderbliches Fleisch haben sie in Form riesiger Eismassen überall. Die Verdauungsorgane der Inuit haben dahingehend eine gesonderte Evolution durchgemacht, dass sie beispielsweise Glucose äußerst effizient aus Eiweiß metabolisieren können.

Wenn man Fleisch und Blut im rohen Zustand verzehrt, bleiben außerdem alle Vitamine, einschließlich Vitamin C, erhalten. Den restlichen Bedarf an Vitaminen decken sie oft, ebenso wie unsere Vorfahren, durch den Verzehr des Mageninhalts von Pflanzenfressern. Auch können Menschen dieser Breitengrade unbeschwerter mit Übergewicht leben als Menschen anderer Kulturen. Den Notmechanismus im Zweifelsfalle tierische kalorienreichere Nahrung der pflanzlichen vorzuziehen, haben jedoch noch alle Menschen. Allgemein ist doch die Vorliebe Fettiges, Salziges und Süßes zu verzehren sehr verbreitet. Für die im Eis lebenden Völker war dieser Mechanismus lebensnotwendig, doch vielen Menschen mit Übergewicht wird dies heute in unserer Überflussgesellschafl zum Verhängnis.

Aborigines

Ein anderes Volk, das ein interessantes Studienobjekt für die Lebensweise von Jägern und Sammlern abgibt, sind zum Beispiel auch die australischen Ureinwohner, genannt Aborigines. Lange Zeit konnten sie auf ihrem, uns damals noch unbekannten Kontinent, ihr Leben als Jäger und Sammler seit der Steinzeit fortführen. Sie jagen bis heute mit einer Woomera (Ur-australisch für Speerschleuder), einem Netz aus Pflanzenfasern, einer Steinaxt, einem Bumerang, einer Keule und einem Wurfstock. Sie benutzen sogar noch Steinmesser und Steinkeile, wie unsere Vorfahren. Sie tarnen sieh auch bei der Jagd mit Ästen oder Erde. Einige verstecken sich, mit einem Schilfrohr als Luftzufuhr, unter Wasser und imitieren mit den Händen springende Fische. Pelikane fallen darauf herein und kommen ahnungslos zu ihnen geschwommen. Mit Emufedern und einem langen Ast als Hals verkleidet, werden sie von anderen Emus für Artgenossen gehalten. Die Tiere lassen die Jäger unmittelbar an sich herankommen.

Aus jungpaläolithischen europäischen Felszeichnungen, auf denen Mischwesen mit Hirschkopf und Menschenkörper dargestellt sind weiß man, dass auch zu dieser Zeit die Technik des Tarnens bei der Jagd angewendet wurde. Was auch erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass die Menschen in Australien nie Pfeil und Bogen benutzten, sondern nur Wurfjäger waren. Auch beim Sammeln von Insekten, Insektenlarven und anderen Kleintieren haben die Aborigines Traditionen, die sich auch auf die früheren Europäer übertragen lassen. Solche Kleintiere sind wohl seit je her einfach eingesammelt und sofort im Ganzen verzehrt worden. So sind keine Hinweise erhalten geblieben und man kann keine genauen Angaben über den Verzehr von Kleintieren in jungpaläolithischen Mitteleuropa machen. Die Beobachtung der australischen Ureinwohner bringt auch hier einige Hinweise.

Nahrungsvorkommen

Die Nahrungspalette bestand aus Pflanzen, tierischen Produkten, wie Eiern und Honig, den Tieren selbst und Wasser.

Tiere

Im Grunde wurde in dieser Zeit nahezu jedes verfügbare Tier als Nahrung verwendet. Proteinhaltige Nahrung hatte seit je her einen großen Stellenwert für den Menschen."

Verfasser
Oliver Gerke
Im Kampe 8a
34233 Fuldatal
Tel. 0561/812047
Gutachterin: Dr. Monika Zolg
Kassel, 7. November 2000
(Die wirklich gute vollständige Arbeit kann über den Verfasser bezogen werden. Dieser ist heute, 2018, ein bekannter Comic-Zeichner.)

Link auf YouTube Blumammu Steinzeitbrei

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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 15 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Anspruchsvoll ⎮ Zeitraum: 1-2 h ⎮ Material: Pfeil und Bogen ⎮

Waffen

Waffen waren in der Steinzeit nicht unbedingt Aggressionsgeräte gegen andere Mitsteinzeitler, sondern Werkzeuge, die überlebensnötig waren. Diese Geräte, oft sogenannte "Komposit-Waffen" (aus mehreren Teilen zusammengesetzte Werkzeuge oder Geräte - wie etwa eine moderne Bohrmaschine) waren Hightech menschlichen Erfindergeistes und für ihre Zeit das absolut Modernste auf dem Markt.

Der Bogen

Bogen

Gebaut haben diese Geräte die Steinzeitler selbst, jeder war ein Alleskönner, manche besser oder schlechter als Andere. Einen Bogen aus Eschen-, Ulmen- oder Eibenholz zu bauen, ist schwierig bis kompliziert, ebenso gute Pfeile. An dieser Stelle wird keine Anleitung zum Bogenbau gegeben. Ich baue die Bögen im Januar aus frisch geschlagenen Stämmchen und benötige ca. 2 Tage zur Fertigstellung. Der Bogen trocknet bis zum Frühjahr in der Werkstatt (welche ungeheizt ist) und ist für die Saison schussfertig.

Moore stellen aufgrund ihrer konservierenden Wirkung die wichtigste Quelle für archäologische Funde aus leicht vergänglichen organischen Materialien wie z. B. Holz dar. Dies gilt im besonderen auch für vorgeschichtliche Pfeil- und Bogenfunde.
Bogen
Im Holmegaard-Moor auf Seeland, Dänemark, kamen bei Ausgrabungen in den vierziger Jahren neben anderen Funden des Mesolithikums ein vollständiger und ein fragmentierter Bogen des gleichen Typs ans Tageslicht. Mit einem Alter von ca. 8.000 Jahren sind sie weltweit mit die ältesten eindeutigen Funde ihrer Art. Es existiert der Fund eines Bogenfragments aus der Nähe von D-Mannheim, welches um 18.000 vCh datiert wird. Das komplette Exemplar von Holmegaard wies eine Länge von 1,54 m auf, für das zerbrochene Fragment konnte eine ehemalige Gesamtlänge von etwa 1,80 m rekonstruiert werden. Beide Funde aus dem Moor waren aus dünnen Stämmen der Ulme hergestellt, einem Holz, das bis zum Wiedererscheinen der Eibe im Neolithikum (Jungsteinzeit) die besten Eigenschaften für den Bogenbau aufwies. Bögen der vorliegenden Machart, die nach dem Fundort allgemeinen als "Holmegaard-Typ" bezeichnet werden, sind durch einen beidseitig deutlich eingezogenen Griffteil sowie durch flache Bogenarme charakterisiert. Letztere enden spitz und ziehen in ihrer Breite etwas in der Mitte leicht ein. Die dem Schützen zugewandte Seite ist flach, die abgewandte dagegen - dem jeweiligen Stammquerschnitt entsprechend - gerundet.

Bogensehne

Die Sehnen waren entweder aus: gedrehten Achillessehnen des Rothirschens oder ähnlichem oder aus dem Darm von Wildtieren, bevorzugt von Grasfressern, welche harte Kost zu sich nehmen und deren Darm intensiv arbeiten muss.

Eine Sehne aus Hirschsehnen ist sehr kompliziert herzustellen, die Darm-Sehne auch. Wobei die Darmsehne besser schießt. Je nach Zugkraft muss man die Sehnen dicker machen, sonst reißen diese. Därme von Schafen aus dem Libanon, gesäubert, aufgeblasen und gefroren, dann halbiert und gedreht, eignen sich gut.

Pfeile

Im Mesolithikum (Mittelsteinzeit) wurden hauptsächlich Spalthölzer der Kiefer und Birke sowie Schösslinge des Hasel-, Schneeball- und Hartriegelstrauches als Pfeilschaftmaterialien verwendet. Die Pfeilspitzen wurden mittels Birkenpechkleber und Sehnen am Schaft befestigt. Zur besseren Öffnung einer potentiellen Wunde und dem damit einher gehenden schnelleren Ausbluten des Wildes wurden oft Seitenschneider unterhalb der Spitze befestigt.
Pfeilspitze mit Widerhacken

Sogenannte Trapez-Spitzen dienten der Vogeljagd. Diese Bewehrung ist typisch für die Mittelsteinzeit und kann als Leitartefakt angenommen werden. Wenn solche Spitzen auf Fundplätzen auftauchen, deutet dies mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Mittelsteinzeit. Die Spitze ist eigentlich eine Schneide, welche sich durch die Federn der Vögel schneidet, während eine herkömmliche Spitze von Federn besonders seitlich abprallen kann. Pfeile waren generell wertvoll. Ein Verlust bedeutete entweder eine neue Spitze machen oder einen kompletten Pfeil. Die Schussweite eines Pfeils kann bis 200 m betragen, als Parabelflug. Deshalb wird die beste Schussdistanz etwa 10 m gewesen sein, wenn die Wirtschaftlichkeit und Trefferquote im sicheren Bereich sein sollte. Pfeile wurden garantiert nach der Benutzung weiterverwendet. Kommen Sie unbemerkt 10 m an einen Auerochsen heran und schießen dann noch mit einer (primitiven?) Waffe auf das wilde große Tier? Ich nicht!
Trapez-Spitze

Daneben benutzten die mesolithischen Jäger auch sogenannte Keulenpfeile, die - wie Beispiele aus der Völkerkunde zeigen - wahrscheinlich bei der Jagd auf Vögel und kleinere Pelztiere eingesetzt worden sind. Pfeile dieses Typs durchdringen die Beute nicht, die Tiere werden allein durch die Schockwirkung des Aufpralls getötet. Ich zeige bei einer Vorführung mit einem Eschenbogen und einem Keulenpfeil, wie dieser Pfeil aus 5 m Entfernung geschossen, eine 16 mm Pressholzplatte glatt durchschlägt. Es macht >plop< und viele Zuschauer verstehen den gesehenen Vorgang gar nicht, bis ich ihnen den Ausschusstrichter zeige.

Kolbenpfeil

Bei Ausgrabungen im Ahrensburger Tunneltal nördlich von Hamburg kamen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts die bislang weltweit ältesten eindeutigen Belege für das Vorhandensein der Bogenwaffe ans Tageslicht. Die aus Kiefernspaltholz hergestellten Pfeile bestanden aus einem längeren Hauptschaft und einem etwa 15 - 20 cm langen, mit einer Spitze aus Feuerstein bestückten Vorschaft. Die Gesamtlänge der durch eine Art Klauenkupplung miteinander verbundenen Teilstücke dürfte ca. 1 m betragen haben. Bei Bruch oder Verlust des Vorschaftes ließ sich der Pfeil durch Aufstecken eines neuen ohne Probleme wiederverwenden. Wie Versuche gezeigt haben, wirkte die vermutlich mit einer Umwicklung gesicherte Verbindung regelrecht wie eine Art Sollbruchstelle. Das Flugverhalten solcher zweiteiligen Konstruktionen wich dabei in keiner Weise von dem einteiliger ab. Die Stellmoorer Pfeilfunde sind leider allesamt während des Zweiten Weltkrieges bei einem Brand zerstört worden. Blumammu zeigt funktionstüchtige Nachbauten.

Ahrensburger Pfeil

Untere Bilder zeigen einen Pfeil, welcher mit allem Drum und Dran (ohne Materialbeschaffung) in der Herstellung etwa 4 Stunden dauerte. Das heißt, wenn alle Utensilien vorhanden sind und man nicht gestört wird. Wichtig ist die präzise und haltbare Herstellung aller Teile. Der e i n e Schuss war lebenswichtig! Deswegen war jeder Pfeil wichtig und musste gut sein. Die Überlegung, mal eben auf 30 m einen laufenden Hirsch in baumbestandenen Gelände anzuschießen, war oft einfach nicht gegeben, weil die Chance, den Schuss zu versetzen, relativ groß war. Eine gute Schussdistanz sind 10 - 15 m. Aber so nah muss man erst mal rankommen an das Wild. Wahrscheinlich wurde Treibjagd betrieben, oder die Tiere kamen freiwillig zum Lager und haben sich ergeben. Keiner weiß das heute. Ist keiner aus der Zeit mal kurz hier gewesen und hat es erzählt. Unten übrigens eine typisch Linearbandkeramische Pfeilspitze (Bauern/5400 v.Chr.).

Bandkeramischer Pfeil
Kommt ein Pfeil geflogen

Pfeilspitzen

Pfeilspitzen wurden neben Geweih oft aus Feuerstein gearbeitet. Ein Feuerstein wurde so präpariert (Kernstein rechts), dass Klingen (Mitte) davon abgedrückt wurden. Aus diesen flachen Klingen wurde die Pfeilspitze erarbeitet. Ein guter Mann (Frau) kann das in einer halben Stunde.

Entstehung von Pfeilspitzen

Als Kleber diente Birkenpech und Sehnematerial aus tierischen Muskelmaterial. Die Sehnen können getrocknet werden und nach bedarf als Schnüre abgezogen werden. Mit Speichel angefeuchtet, kann man damit auch nähen. Später trocknet die Sehne mit dem Birkenpech und es entsteht eine gute Verbindung mit dem Schaft.

Sehnenmaterial

Federn am Pfeilschaft dienten der Stabilisierung des Pfeilfluges. Der Pfeil bekommt einen Drall und hält somit die gewünschte Flugbahn. Das hat man sehr früh erkannt und bis heute nicht verändert. Die Befestigung erfolgt ähnlich wie die Pfeilspitze mit Birkenpech und Sehnen. Ein Hirsch lässt sich so komplett verwerten: Fell, Fleisch, Sehnen, Geweih, Därme, Knochen. Nur Schade, das er keine Federn hat.

Befiederung

Zum Thema Giftpfeile: Große Pfeile mit entsprechenden Spitzen sollen verwunden, töten. Giftpfeile sollen treffen und töten. Das heißt bei Gift: kleiner Bogen genügt, aber nahe Schussdistanz. Normale Pfeile = großer Bogen, weitere Schussdistanz. Was beides aber nicht ausschließt. Das stärkste Pflanzengift in unserem Kulturkreis ist der gelbe Eisenhut, welcher ein Nervengift enthält. Hände weg davon! Absolut tödlich, kein Gegenmittel möglich!

Der Köcher

Ein Köcher

Da Pfeile wertvoll waren, wurden sie in speziell dafür gefertigten Behältern transportiert, dem Köcher. Der Köcher oben ist ein Nachbau des Ötzi-Köchers, Jungsteinzeit und ist sehr kompliziert und aufwendig konstruiert. Wieder ein Beispiel der Steinzeit-Hightech. Der andere Köcher ist ein Selbstbau. Hier wurde eine Wildschweine-Schwarte zu einem Köcher verarbeitet.

Noch ein Köcher

Die Jäger nahmen die Pfeile beim Schuss nicht unmittelbar aus dem Köcher, sondern trugen die losen Pfeile bei der Jagd am Bogen, Spitzen nach oben.

Auf der Jagd

Speere

Im Jahre 1948 kam in einer Mergelgrube bei Lehringen (Landkreis Verden, Niedersachsen) das nahezu vollständige Skelett eine Waldelefanten ans Tageslicht, zwischen dessen Rippenknochen sich eine komplett erhaltene, jedoch in mehrere Teilstücke zerbrochene hölzerne Lanze von 2,44 m Länge befand. Sie war aus dem dünnen Stämmchen einer Eibe gearbeitet, wobei die sorgfältig zugeformte Spitze am dünneren Ende lag. Dieses konstruktionstechnische Merkmal spricht eindeutig für eine Stoßlanze und gegen einen Wurfspeer. Der Lehringer Befund aus der letzten Warmzeit vor etwa 125.000 Jahren ist das bislang eindrucksvollste Zeugnis für die Jagdtätigkeit des Neandertalers, der hier im Uferbereich eines kleinen Sees - vermutlich im Verband einer Jägergruppe - ein so wehrhaftes Tier wie den Waldelefanten aus nächster Nähe mit einer Stoßwaffe, der hölzernen Lanze, attackiert hatte.
Stoßlanze

Wie andere Funde von mehr oder weniger eindeutigen Holzlanzenresten, z. B. aus Stuttgart-Bad Cannstadt, Bilzingsleben (beide Deutschland), Clacton-on-Sea (Großbritannien) oder Torralba (Spanien), zeigen, ist diese Jagd mit großer Wahrscheinlichkeit auch schon zur Zeit des Homo erectus in der Altsteinzeit vor etwa 400.000 bis 200.000 Jahren betrieben worden.

Die Stoßlanze

Im Braunkohletagebau Schöninngen bei Helmstedt wurden seit Herbst 1995 acht in voller Länge erhaltene hölzerne Wurfspeere aus der Zeit des Homo erectus entdeckt. Für alle drei Exemplare, deren Längen 1,82 m, 2,25 m und 2,28 m betragen, sind dünne Fichtenstämmchen verwendet worden. Die Funktionsenden liegen einheitlich am dickeren Ende, ihre konische Zuarbeitung erstreckt sich zum Teil über eine Länge von 60 cm.

Die Schöninger Speere fanden sich zusammen mit einer großen Anzahl an Knochenresten, unter denen solche vom Wildpferd mit Abstand dominieren. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um Reste der Jagdtiere handelt, die hier vor etwa 400.000 Jahren am Ufer eines kleinen Sees zur Strecke gebracht worden sind.

Wurfspeer

Der sensationelle Fund der Schöninger Wurfspeere, deren detaillierte Bearbeitung und Publikation zur Zeit erfolgt, wirft ein völlig neues Bild auf die waffentechnische Entwicklung in der Altsteinzeit. Sie dokumentieren eindrücklich die Kenntnis der Fernwaffe "Speer" in einer Epoche, für die bislang nur Indizien auf die Verwendung hölzerner Stoßlanzen vorlagen.

Der abgebildete Speer von Blumammu ist den Schöninger Speeren angeglichen. Das Holz stammt von der Weymouth-Kiefer. Die rote Farbe ist kein Blut, sie dient nur dem besseren Kontrast, sieht aber gut aus.

Der Speer
Der Speer

Speere mit einer Silexspitze, einer sogenannten Blattspitze, waren die High-Tech-Waffen der Steinzeit. Sie konnten nur einmal benutzt werden, dann war es entweder zu spät zur Flucht, oder die Spitze brach im Körper des Tieres. Fakt ist, das eine große Wunde entsteht, aus der Mengen von Blut fließt, wenn der Stoß gut geführt worden ist.
Höhlenbärjagd

Die Waffe wurde also sehr aufwendig hergestellt. Auf jedes Detail wurde geachtet. Der Einsatz galt dem einmaligen Zweck, ein Tier zu töten und die Gefahr war ebenso groß, das der Speerhalter angegriffen wurde.

Steinklinge

Speerfassung

Eingepasst

Gewickelt



Harpunen

Harpune

Harpunen stellen eine ganz spezielle Art von Speeren dar, bei denen das mit ein- oder beidseitigen Widerhaken versehene Projektil nicht fest mit dem Holzschaft verbunden ist. Die in einer entsprechenden Aussparung am vorderen Ende festgeklemmte Harpunenspitze löst sich nach dem Eindringen in die Beute vom Schaft.
Harpunenspitze
Wie völkerkundliche Beispiele zeigen, bleibt sie danach entweder durch eine kurze Leine mit dem Schaft oder durch eine längere mit dem Werfer verbunden. Die Widerhaken gewährleisten einen festen Sitz der eingeschossenen Harpunenspitze in der Beute, so dass diese über die kurze Leine und den Schaft oder die längere Leine an der Flucht gehindert werden kann. Es wird allgemein angenommen, dass steinzeitliche Harpunen überwiegend beim Fischfang Verwendung fanden.

Ein Einsatz bei der Jagd auf Säugetiere - z. B. auf im Wasser lebende Arten wie den Biber oder auf solche den Elch oder das Rentier bei der schwimmenden Durchquerung eines Gewässers - ist ebenfalls denkbar. Die von Blumammu gezeigte Harpunenspitze ist aus Rentiergeweih.

Harpune ganz
Harpune nur der Kopf
Die Speerschleuder

Speerschleuder

Die Speerschleuder ist eine Distanzwaffe, welche eine Schussweite von über 50 bis 100 m erlaubt, also freie Flächen voraussetzt. Deshalb wurde sie von den steinzeitlichen Rentierjägern vor 14.000 Jahren benutzt. Wieder eine Kompositgerät. Die Schleuder erlaubt eine größere Wurfkraft. Das Spannen und Schießen mit dem großen Bogen ist für Jugendliche schwierig. Der Speerwurf kann dagegen sehr leicht von Kindern und Frauen ausgeführt werden.
Die Speerschleuder

Die Speerschleuder aus der ausgehenden letzten Eiszeit stellt nach dem derzeitigen Erkenntnisstand die älteste einfache Maschine der Menschheit dar. Der Arm des Werfers wird mit diesem künstlichen Hebel verlängert. Dadurch vergrößert sich der Beschleunigungsweg, die Abwurfgeschwindigkeit des Speeres erhöht sich, und - daraus resultierend - ebenfalls seine Durchschlagskraft.
Funktionsweise
Die Speerschleuder wird am hinteren Ende in einer Aushöhlung des Speerschaftes eingehackt, die Hand des Wurfarms hält dann beide zusammen in paralleler Position. Der Bewegungsablauf des Speerschleuderwurfes ähnelt dem des handgeworfenen Speeres. Als entscheidender Unterschied ist durch die Speerschleuder die Kontaktphase mit dem Speer verlängert, was zu den beschriebenen Vorteilen führt. Durch den in der Schlussphase des Abwurfes nach unten gerichteten Impuls kommt es vor dem Verlassen des Hakens beim Speer zu einer Durchbiegung, die sich in der Flugphase in einer nach oben und unten pendelnden Schlängelbewegung fortsetzt.
Speerspitze
Diese Erscheinung, die in direktem Maß von der Biegefähigkeit des Speerschaftes abhängt und bei seiner Konstruktion durch ein geeignetes Dicken-Längen-Verhältnis grob vorausbestimmt werden kann, ist eine wichtige Voraussetzung für eine kontrollierte Flugbahn. Die Tiere werden von dem Projektil von eher von oben getroffen und sind nicht unbedingt sofort tot, aber verletzt und an der Flucht behindert. Der Jäger musste also noch hinterher und das Tier persönlich töten.

Die Speerschleuder


Weiterführende Literatur:
Junkmanns, Jürgen
Pfeil und Bogen
Herstellung und Gebrauch in der Jungsteinzeit
Museum Schwab, Seevorstadt 50, CH-2502 Biel
ISBN 3-9521892-3-5

Link auf YouTube Blumammu Bogenjagd

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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      Out/Indoor ⎮ Gruppenstärke: 30 ⎮ Alter: 3-30 ⎮ Challenge: Mäßig ⎮ Zeitraum: 10min ⎮ Material: Rötel, Ocker, Hämatit, Holzkohle ⎮

Farbe

Rot war die beliebteste Farbe der Menschen in der Steinzeit.

Um 751.450 vCh erfand die Menschheit das farbige Sehen, also vor 753.468 Jahren! Vergaß es aber sofort wieder bis Januar 40.000 vCh.
Funktionsweise

Negativabformungen von Händen kennen wir aus Australien, Papua Neuguinea und aus einigen französischen Höhlen. Thomas Schultze-Westrum vertritt in seinem Buch "Biologie des Friedens" die Meinung, dass die geöffnete menschliche Hand ein Ursignal in der innerartlichen Verständigung sei. Es bekam seine Funktion, als sich mit dem aufrechten Gang die Vorderextremitäten vom Boden lösten. Die offene, erhobene Hand, mit der Handinnenfläche zum Artgenossen gedreht, signalisiert einerseits friedliche Ergebenheit, auch Abwehr, andererseits demonstriert sie Präsenz und macht andere in neutraler Weise auf sich aufmerksam. Die Signalwirkung wird durch Bewegungen noch verstärkt und differenziert. So trist und eintönig war die Steinzeit nu ooch nich. Nur Steine kloppen, Steine essen, Steine schleppen. Ick bitte Sie!

Halt, es gab ja die: Farbsteine! Da ist der Hämatit, der Roteisenstein, das Mangan, der Limonit, der Kalk, die Steinzeitkohle, Chlorophyll und bestimmt noch andere Dinge, von denen wir keinen blassen Schimmer haben. Doch wie wurde die Farbe eingesetzt? Möglich ist zum Beispiel eine Körperbemalung, ähnlich wie bei den Aborigines in Australien, bei den Indianern und bei Frauen generell.

Gegenstände wurden bemalt, Wände, Holz, Stein, Geweih, Ton, alles mögliche. Eine einfache Methode ist die Holzkohle oder Blut. Beides war oft vorhanden, und Blut war damals nicht unbedingt ekelhaft oder fremd. Stellen Sie sich vor, wenn so ein Mammut geschlachtet wurde. Oder gar ein Wal. No risk, no fun.

Seit Urzeiten besteht das Bedürfnis, Tote würdevoll zu bestatten; die Achtung vor dem Toten zeigt sich unter anderem auch in der Gestaltung und Pflege der Grabstätten. Seit alters her dienten und dienen sie als Orte der Besinnung und Erinnerung an erlangten in manchen Gesellschaften als Kultstätten eine hohe Bedeutung. Begräbnisrituale und gemeinsames Trauern zeigen dabei - damals wie heute - die Verbundenheit mit dem Toten. Dabei hat jede Epoche und jede Religion ihre ganz eigenen Ausdrucksformen gefunden. Während die Nomaden ihre Toten in Einzelgräbern und mit verschiedenem Beiwerk und Nahrung beerdigen und dann weiterzogen, schufen die ersten sesshaften Menschen Begräbnisstätten - Gemeinschaftsgrabstätten oder Nekropolen - so genannte Gräberfelder. Sie befanden sich bereits an Plätzen, die ausschließlich für Bestattungen vorgesehen waren.

In der Steinzeit legte man den Toten Werkzeug und Farbe mit ins Grab, rote Farbe, die aus Hämatit gerieben wurde, oder Ocker, eine gelbe Variante von Eisenstein. Rote Farbe in der Steinzeit gründet sich oft aufgrund von Eisenoxid. Die benutzten abgeschliffenen Roteisensteine, wie z. B. Hämatit, fand und findet man in Gräbern der Steinzeit. Die Menschen glaubten also damals schon an ein Leben nach dem Tod.

Die wilde Lust, uns an Karneval mit Farbe zu bemalen, muss wohl aus dieser Periode unserer Menschheitsgeschichte stammen. Bei den Vorführungen und Projekten arbeite ich mit Hämatit und Rötel, Kalk und Holzkohle. Diese Sachen können gerieben, zerstampft, gegessen und lose gebraucht werden.

Die Teilnehmer können sich mit dem Rötel anmalen, eigentlich wie jeder lustig ist. Holzkohle zerkaue ich und sprühe damit einen Negativabdruck meiner Hände auf ein Blatt. Das ist dann jedes mal ein Hit, keiner rechnet damit, so etwas ist ja auch unmöglich und überhaupt eine saumäßige Angelegenheit.

Tattoos mache ich zwar nicht, doch kann man ja so tun als ob. Holzkohle schmeckt übrigens nach nichts und ist staubtrocken. Andere Farben in den Mund zu nehmen, empfehle ich nicht unbedingt. Alle Naturfarben, die Blumammu benutzt und einsetzt, sind nicht giftig oder schädlich (wenn eine gewisse Verschmutzung als nicht schädlich eingestuft werden kann). Gut, der Kreativität ist keine Grenzen gesetzt. Lassen Sie sich verführen. Dann kommt Farbe ins Spiel.


Weiterführende Literatur:
Lorblanchet, Michel
Höhlenmalerei - Ein Handbuch
Thorbecke Speläothek 1
Jan Thorbecke Verlag 1997
ISBN 3-7995-9025-0

Link auf YouTube Blumammu Ocker und Schamanenkult

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      ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      In/Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 8 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Anspruchsvoll ⎮ Zeitraum: 1-3 h ⎮ Material: Feuerstein, Holz, Geweih, Stein ⎮

Feuersteinmesser und Beil

Feuersteinbeil

Steinbeilherstellung nach steinzeitlichem Vorbild. Hätten die Steinzeitmenschen unsere Maschinen besessen, wären sie naiv gewesen, diese nicht zu benutzen (und sie waren ganz bestimmt nicht naiv). Einen Rohling (Halbzeug) aus einer Feuersteinplatte schlagen kann heutzutage aber keine Maschine. Andererseits gehört viel gutes Augenmaß und Erfahrung zur Herstellung eines steinzeitlichen Fällbeiles, auch heutzutage. Das Schwierigste ist das Schlagen des Rohlings und das Ausstemmen der passgenauen Halterung für die Beilklinge; und das ohne Maschinen. Und sie haben es gemacht. Gut sogar.

Die geschäfteten Steinbeile wurden ausschließlich in der Jungsteinzeit hergestellt und dienten hauptsächlich dem Baumfällen, dem Entasten und zurecht schlagen der Balken.

Rohling Feuerstein
Zuschlag Feuerstein
Steinbeil aus Feuerstein
Feuersteinbeil von vorne
Feuersteinbeil von oben

Aus einem Feuersteinrohling (die meisten Beile waren aus Feuerstein, hier Valkenburg-Feuerstein aus Süd-Limburg/Niederlande) wird ein Flachbeil geschlagen und geschliffen. Diese Arbeit kann, je nach Größe des Beils, bis zu 24 Stunden dauern. Vorher ist eine gründliche Sichtung des zu verwendenden Materials ratsam, denn wenn einmal das Beil geschliffen ist, gibt es kein zurück. Nur eine fertige Beilklinge lässt sich testen! Holm und Beilklinge passen wie Topf und Deckel zusammen. Der Verlust einer Beilklinge bedeutet den Verwurf des Holzholms. Bruch eines Holzholm bedeutet die erneute Arbeit eines der Beilklinge angepassten Holmes. Weniger Arbeit eigentlich als in ersterem Fall.

Eine Axt hat immer ein Führung für einen Schaft im Schlagkörper integriert, während eine Beilklinge in einen Schaft eingepasst wird. Also wäre beispielsweise ein indianischer Tomahawk eine Streitaxt, weil: er hat ein Loch für den Schaft. Die Beile waren für jeden Einsatz verschieden groß. Es gab auch sehr kleine. Diese wurden in Geweihfutter eingesetzt.

Schleifstein für den Feuerstein

Das Schaftloch ist durchgehend, wobei nur die Schmalseiten des Flachbeils das Holz berühren und die Schlagwucht über die beiden Schmalseiten weitergegeben wird. Unten sehr schön zu sehen, das die Schneide des Beils parallel, also in gleicher Linie zur Hauptachse des Holzschaftes liegt, deswegen: Parallel geschäftetes Beil.

Holm 01Holm 02Holm 03

Wenn alles passt, wird ein erster Test mit dem Beil gemacht, ist der Baumfäller zufrieden, wird der Schaft überarbeitet, ergonomisch geformt und behandelt.

Vorgehensweise zum Bau eines Feuersteinbeils

Solche Beilformen sind seit der Jungsteinzeit belegt durch Funde aus dem Bodensee, wo sich das Holz noch sehr gut erhalten hat. Blumammu nennt 8 solcher Beile sein Eigen. Sie haben unterschiedliche Gewichte und verschiedene Holme, so dass verschiedene Altersklassen diese benutzen können. Eine der Beilklingen ist nun mehr seit 17 Jahren im Einsatz.

Feuersteinmesser

Messer wurden in allen Lebenslagen gebraucht und benutzt. Diese konnten aus Knochen, Geweih, Elfenbein oder ähnlichem Material sein. Naheliegend war Messer aus Feuerstein, sogenannte Dolche. Man kann damit nicht schnitzen oder hauen, nur stechen und sägen.



Natürlich funktionieren auch einfache Abschläge, doch der Reiz eines Feuersteindolches ist immens. Handwerklich hergestellte Dolche kamen in der Jungsteinzeit auf. Die Verarbeitung eine Feuerstein-Dolchklinge ist langwierig und bedarf Übung.



Das Taschenmesser der Steinzeit. Eine Feuersteinklinge wird mittels Birkenpech in ein Stück Holz geklebt und und mittels einer Schnur am Gürtel befestigt.



Hier wurde der Griff einer Feuersteinklinge mit Birkenpech ummantelt und dann in eine Lindenbast-Kordel Scheide gesteckt, ähnlich wie bei der Gletschermumie vom Similaun-Gletscher.



Hier wurde die Feuersteinklinge in ein dickes Stück Rentiergeweih eingesetzt (was sich als sehr handlich erwies) um in eine Scheide aus Birkenrinde deponiert zu werden. Die Scheide ist nur gesteckt, nicht genäht oder fixiert.

Zum Ende der Steinzeit, zu beginnender Bronzezeit, versuchten die Silexbearbeiter mit Erfolg, die aufkommenden Bronzedolche mit Feuerstein nachzubauen (mangels Bronze). Das Resultat sind die sogenannten Fischschwanzdolche, zumeist hergestellt in Nordeuropa. Klinge und Griff aus durchgehendem Silex. Auf unten stehendem Bild ist ein solcher Dolch (Besitz einer Privatperson aus D-Cuxhaven) zu sehen. Selbst die Gussnaht ist im Steinmaterial eingearbeitet. Die Zeitstellung des Dolches ist etwa die des Trojanischen Krieges.



Weiterführende Literatur (Antiquariat):
La hache de pierre
Carrière vosgiennes et échanges de lames polis pendant le Néolithique (5400-2100 av. J.-C.)
Pierre Petrequin et Christian Jeunesse
En Français!
Editions Errance, Paris, 1995
ISBN: 2 87772 108 6

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BIRKENPECH

Ein Tropfen Birkenpech

Destillat aus Birkenrinde, klebt im flüssigen Zustand. Destillation ist ein thermisches Trennverfahren, um verdampfbare Flüssigkeiten zu gewinnen oder Lösungsmittel von schwer verdampfbaren Stoffen abzutrennen und anschließend durch Kondensation aufzufangen (Wikipedia). Auch Pyrolyse genannt. Unter Luftabschluss wird mit großer Hitze in einem Gefäß, welches eine kleine Öffnung hat, Wasser und Teer aus der Rinde der Birke getrennt. Ein Gefäß unter dem Hauptbehälter fängt die Flüssigkeit, welche aufgrund der Schwerkraft durch das nach unten platzierte Loch zum Erdmittelpunkt rinnt, auf. Der Vorgang dauert mindestens 4 Stunden. Im oberen Behälter bleiben nur die filigranen Aschereste der Birkenrinde übrig. Nachdem das Gebinde aufgelöst wird und der Behälter im Boden abgekühlt ist, sollte der Birkenteer nun mittels vorsichtigem Erhitzen reduziert werden. Wasser tritt aus und peu à peu wird aus der heißen Flüssigkeit das Birkenpech. Es riecht ein wenig nach Weihrauch. Die Kunst der Zunft besteht aus dem Können, Birkenpech so fest, bzw. so flüssig zu halten, das es nicht fließt und auch nicht bricht. Birkenpech wurde in der Alteinzeit hauptsächlich für die Pfeilherstellung benutzt. In der Jungsteinzeit fand der Stoff vielfältigere Verwendung. Es wurden noch keine Behältnisse zur Birkenteer-Herstellung aus der Steinzeit gefunden, aber Birkenpech aus diesem Zeitraum. Ein gebrauchtes leeres 60l Ölfass gefüllt mit Birkenrinde erzeugt mittels einem Kubikmeter trockenem Holz (Birke, Buche etc.) etwa 1/2l Birkenteer. Dauer des Brennvorgangs: 4h.

Birkenpech machen


Unten stehender Link auf den Dokumentarfilm des National Film Board of Canada über den Bau eines Birkenrinden-Kanus aus 1971. Sprache Französisch.

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Feuersteinbearbeitung

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und der führt direkt zu Feuersteinlagerstätten. Dort angekommen, lädt der User ein paar Zentner dieses feines Stoffes ins Auto. Ab geht's nach Hause. Alles wieder raus aus dem Wagen, die Achsen gehen wieder nach oben und der erste Schritt ist getan.

Die nächsten Abläufe machen Sie nicht. Das ist gefährlich und der Verfasser übernimmt keine Verantwortung über eventuelle Folgeschäden aufgrund einer Umsetzung dieser Tätigkeiten mit der eigenen Person. Überlassen wir es den Experten.

Nun beschafft der Steinschläger weiteres Material. Es geht darum, vom Feuerstein mittels Hilfsmitteln Stücke abzuschlagen. Das ist einfacher gesagt als getan und splittet sich zu teils sehr komplizierten Vorgängen.

Versuchen wir es trotzdem. Vergessen wir den Namen Feuerstein. Nennen wir es einfach Stein, der in alle Richtungen brechen kann und wenn man das gekonnt leitet, ein Gegenstand entsteht, welcher sich als Gerät oder Werkzeug für bestimmte Tätigkeiten eignet. In der Steinzeit.

Feuer

Als Erstes benötigen wir einen kompakten mittelgroßen Nichtfeuerstein. Und einen weiteren kleineren Nichtfeuerstein. Nennen wir sie "Schlagsteine". Dann ein weicher kleiner handlicher Stein. Aus einer Geweihstange wird aus dem vorderen dicken Teil eine Art Klüpfel gesägt. Aus den Spitzen werden sogenannte Punches gesägt. Sie sind vorne abgerundet und haben am hinteren Ende ein Fläche, auf die man mit einem Schläger schlagen wird. Desweiteren noch eine unbearbeitete Geweihspitze, handlich. Und ein griffiges, schweres Stück Holz als Schläger. Und ein dickes Stück Leder auf die Oberschenkel. Man arbeitet im Sitzen. Und Handschuhe. Und eine Schutzbrille. Und Geduld. Und Kaffee.

Feuer

Einfache Abschläge vom Feuerstein können mit dem dicken Stein gemacht werden. Je kleiner der Schlagstein, umso präziser werden die Abschläge vom Feuerstein. Das nennt man den "harten" Schlag.

Feuer

Mit dem Geweihschläger werden gezielt weitere Abschläge getätigt. Hier werden die Feuersteinstücke schon kleiner und "ordentlicher". Je nach Gewicht des Geweihschlägers. Ein solcher Knüppel aus Elch-Geweih kann schon was wiegen. Das nennt man den "weichen" Schlag. Witzig, aber im Gegensatz zum Stein kommt das Wort hin.

Feuer

Der wichtigste Arbeitsablauf bei der Feuersteinbearbeitung war die Herstellung von "Klingen". Diese dienten der Herstellung von Pfeilspitzen und anderen Geräten, wie Schaber, Schaber oder Schaber. Aber auch für die Einsätze in Sicheln, welche der Getreideernte dienten. Nennen wir sie "Sichelklingen".

Feuer

Um eine Klinge abzuschlagen, wird ein Feuerstein so präpariert, das ein Konus entsteht. Mittels bestimmter Techniken, zu welchen die "Punches" und der weiche Stein benötigt werden, löst man seitlich längliche Stücke Feuerstein von dem Konus ab. Ist kompliziert. Klappt nicht immer. Aber Übung macht den Meister. Dauert oft ca. 7 Jahre, bis ein Feuersteinwerker mit der eigenen Ausbildung fertig ist. Wer das alles richtig gut konnte, waren die Clovis-Paleo-Indianer und Peter Wiking.

Feuer

Eine Beilklinge wird aus einer Feuersteinplatte reduziert, bis mittels schlagen und drücken eine solche Klinge entsteht. Ist kompliziert. Ebenso Feuersteindolche. Eine Geweihspitze wird dazu benutzt, Kanten abzudrücken, Buchten und Sollbruchstellen zu erstellen oder eine Art "Säge" herzustellen. Feuerstein ist glasähnlich und lässt all diese Arbeiten zu. Umkehrschluss ist, das man mit Glasblöcken all diese Arbeiten ebenfalls bewerkstelligen kann. Machen die Amis. Les amies. Los yankees. Yiiihaa.

Weiterführende Literatur (Antiquariat):
Weissgerber, Gerd
5000 Jahre Feuersteinbergbau · Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit
Deutsches Bergbaumuseum Bochum, 1980
ISBN 3-921-533-66-X

Link auf YouTube Andreas Benke, Feuersteinschmied

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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮

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Im Erdloch kochen

Blumammu benutzt verschiedene Gemüsesorten. Diese werden frisch eingekauft, haben eine unterschiedliche Festigkeit und Geschmack und den Vorteil, das sie von den Verbrauchern generell als Nahrung akzeptiert werden.

Der Arbeitsablauf der Essenzubereitung, eine elementare Tätigkeit in der Steinzeit, eignet sich in hohem Maße zur Demonstration verschiedener damaliger Techniken.

Angefangen mit dem Feuermachen über den Weg eines Lagerfeuers, der Zubereitung der Speise hin zur Technik des Kochens ohne direkten Kochtopf und dem anschließenden Verzehr mit steinzeitlichen Methoden. Alle Geräte und Zutaten entsprechen in Material und Reihenfolge dem steinzeitlichen Verarbeitungsprozess.

Für das Holz wird ausschließlich unbehandeltes Eschen,- Birken-, Eichen-, oder Buchenholz verwand. Begonnen wird mit der Technik des Feuermachens ohne Streichholz, Feuerzeug oder ähnlichem. Der Zuschauer oder Mitmacher erfährt Grundsätzliches über die Technik des Feuers, Holzarten und wie ein Feuer in Gang bleibt. Das Feuer und die Kochstelle werden in unmittelbarer Nähe angelegt.

Die sogenannten Kochsteine bestehen aus ausgesuchten Quarzitgeröllen. Diese kommen aus den eiszeitlichen Schottern von Rhein, Maas und Rur. Sie haben den Vorteil, unter Hitzeeinwirkung nicht so schnell zu brechen oder zu reissen. Ca. 6 größere Steine reichen für eine Vorführung. Die Steine werden in das Feuer gelegt und erhitzen sich im Laufe eine Stunde rotglühend. Dabei werden alle Keime und Bakterien abgetötet.

Während das Feuer brennt, werden die Feuerstein-Abschläge vom Veranstalter geschlagen. Ausgehend von Erklärungen zur Natur des Feuersteins, hin zur Technik des Schlagens und der manuellen Verwendung. Oft wird erst hier vielen Anwendern klar, was die Abschläge oder Artefakte aus Feuerstein in den Museumsvitrinen bedeuten und wie sie entstanden sind.

Die scharfen Feuersteinabschläge werden zum Zerteilen des Gemüses benutzt. Die guten Teile werden in einen Korb verfüllt. Eine Loch wird in der Größe eines Fußballs gegraben. Das kann mit einem Spaten gemacht werden. Kompromisse sind erlaubt. Haben Sie schon einmal versucht, ein Loch mit einem Geweih zu graben?

In das Loch wird ein rundes Leder gelegt, welches als Kochtopf dient. Das Leder wird nach dem Einfüllen von Trinkwasser zwar nass, hält aber dicht. Hier ist darauf zu achten, das kein Schmutz von außen in das Wasser gelangt. Wenn saubere Arbeitsabläufe eingehalten werden, will sagen frisches Gemüse, sauberer Feuerstein und Schneideunterlagen, frisches Trinkwasser, unbehandeltes Holz und konzentriertes Arbeiten, ist dieser Arbeitsprozess eine durchaus hygienische Angelegenheit, natürlich mit dem Hintergrund der originären Umstände.

Das Gemüse wird in das Kochleder verfüllt. Dabei wird mit Steinsalz aus den Alpen gewürzt und muss abgeschlagen werden, um in einem Mörser zerrieben zu werden. Das Abschmecken geschieht nach persönlichem Empfinden. In der Steinzeit war unser Geschmack etwas anders als heute, besonders was Salz oder Süßes angeht. Also wenig Salz, weil es einmal sehr wertvoll war und geringe Mengen genügten, um Geschmack zu erzeugen.

Die Steine werden mittels Geweihstangen aus dem Feuer geholt und nacheinander in die Kochgrube gelegt. Dabei erhitzt sich das Wasser im Wechsel der Steine stetig bis hin zum intensiven kochen. Es hat den Anschein eines kleinen Geysirs.

Nach einer Viertelstunde kann die Suppe gegessen werden. Entweder aus dem Topf oder aus Holz-Schüsseln mittels Austern-Schalen.

Weiterführende Literatur (Antiquariat):
The Book Of Camping And Woodcraft
By Horace Kephart Hardcover Book From 1908

Link auf YouTube Eschweiler Waldtag 2015 unter Mitwirkung von Blumammu im Erdloch kochen.

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Knochen und Geweih

Knochen und Geweih haben in den verschiedenen Phasen der Steinzeit für die Herstellung von Gerätschaften eine große Rolle gespielt. Dies waren - je nach herrschender Klimaperiode mit unterschiedlicher Gewichtung - die Materialien, welche erlegten Tieren entnommen werden konnten.

Das Tier par excellence für diese Zwecke war der Rothirsch. Sein Geweih, die Knochen, das Fell, das Fleisch, die Sehnen, selbst Zähne wurden benutzt und verwertet.

Geweih


Die Hirschkuh, das weibliche Hirschtier, trägt kein Geweih (einzige Ausnahme die Renkuh). Die männlichen Tiere der europäischen Hirscharten, so Elch, Rothirsch, Rentier, Damhirsch und Rehbock, tragen ein Geweih. Es besteht aus zwei, dem Kopf der Hirschart entwachsenen symmetrischen Knochen, welche spitze Enden aufweisen können und aus Kalk und Kollagen bestehen. Jedes Tier verliert einmal im Jahr beide Geweihstangen, welche wieder nachwachsen. Die sogenannten Abwurfstangen verbleiben am Boden.

Da Geweih sehr flexibel, widerstandsfähig und schlecht brennbar ist, eignet es sich sehr gut als Rohstoff für die unterschiedlichsten Gebrauchsgegenstände. Es lässt sich sägen, schleifen und bohren. Die hauptsächliche Verwendung von Geweih sind Hacken für die Feldarbeit, Picks und Meißel für die Holzbearbeitung, Punches für die Feuersteinbearbeitung, Zwischenfutter von Steinbeilen für die Halterung in Beilstielen, Angelhaken für Fischfang und Harpunen für die Rentierjagd. In einigen Fällen wurden aus Geweih Figuren geschnitzt.

Knochen


Knochen haben einen ähnlichen Stellenwert wie Geweih für den Mensch der Steinzeit. Unterschiedliche Teile dieses aus ehemals lebenden Körpern bestehenden Stütz-Skeletts dienen als Rohstoff-Lieferant für Gegenstände. Viele Knochen sind hohl, also Röhren mit einer mehr oder weniger harten und dicken Außenschicht. Somit sind sie nicht unähnlich dem Geweih, welches letztendlich auch eine Art Knochen ist. Knochen lassen sich sägen, schleifen und bohren. Dies erlaubt ein breites Spektrum möglicher Nutzen.

Es dominieren Nähnadeln, Pfrieme und Meißel bzw. meißelartige Geräte, gefertigt überwiegend aus Mittelfußknochen von Hirsch und Reh. Dazu kommen Schmuckanhänger, speziell gestaltete Instrumente unbekannter Zweckbestimmung, Rippenmesser, Geräte zum Schneiden. Sie belegen die Nutzung von harten organischen Stoffen für die Fertigung von Arbeits- und Jagdgeräten.

Weiterführende Literatur:
Seeberger, Friedrich
Steinzeit selbst erleben!
Waffen, Schmuck und Instrument – nachgebaut und ausprobiert
Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, 2002
ISBN 3-00-009296-X

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Kleidung

Gerben

"Beim Gerben wird Tierhaut zu Leder verarbeitet. Ziel des Gerbens ist es, den Fäulnisprozess der Tierhaut zu unterbinden und die Haut in ein möglichst widerstandsfähiges und zum Teil wasserabstoßendes Material zu verwandeln.

Ein Gerbstoff verbindet sich mit dem Eiweiß der Haut, das dadurch in eine wasserunlösliche und nicht quellende Struktur umgewandelt wird. Durch diesen Gerben genannten Prozess wird eine abgezogene Tierhaut in Leder umgewandelt, was z.B. die Fäulnis verhindert. Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor, es gibt aber auch mineralische Gerbstoffe.

Um die Haut auf die Gerbung vorzubereiten durchläuft sie die Wasserwerkstatt, in deren Verlauf die nicht-ledergebenden Bestandteile (Haare, Unterhautbindegewebe, Fett und unstrukturierte Eiweiße) entfernt werden. Dies geschieht auf chemischem Wege (Weiche, Äscher, Hautaufschluss) und mechanisch (Entfleischen, Spalten, Streichen). Die so genannte Blöße ist damit für die eigentliche Gerbung vorbereitet.

Die Gerbung kann in der Steinzeit durch Einsatz von pflanzlichen Gerbstoffen (Eiche-, Rindengerbstoffen), durch kauen, Urin oder Hirn erfolgen. Der Gerbungsprozess besteht aus drei Phasen: dem Quellen des Kollagen, dem Eindringen des Gerbextrakts und dessen Fixierung.

Nach Abschluss der Gerbung werden die Leder dann je nach Verwendungszweck nachgegerbt, gewaschen, gefärbt und gefettet. Nach der Trocknung kann zur Steigerung der Gebrauchsfähigkeit noch eine Oberflächenbehandlung mit Zurichtmitteln erfolgen. Damit wird ein hochwertiger Werkstoff für vielerlei Einsatzmöglichkeiten hergestellt. Verwendung fand Leder in der Steinzeit vor allem in der Kleidung. (Wikipedia)"

Der Nähfaden

Eine Sehne ist jener stützgewebige Teil des Muskels, mit dem dieser mit einem Knochen verbunden ist. Eine Ausnahme bilden die Zwischensehnen, die zwei oder mehrere Muskelbäuche eines Muskels verbinden.

Eine Sehne besteht immer aus nebeneinander verlaufenden und fest unter sich verkitteten Bindegewebefasern, die zu Bündeln vereinigt sind. (Wikipedia, chemie.de)



Aus prähistorischer Zeit ist von dieser leicht vergänglichen Ware nichts erhalten geblieben. Aber es muss die anscheinend leichte, in Wirklichkeit aber nicht immer einfache Aufgabe, zwei oder mehr Gegenstände fest zu vereinen, zur Erfindung einer Reihe von technischen Kunstgriffen geführt haben. Zwirn, Schnüre, Riemen, Stricke und Taue sind sicher verwendet worden beim Nähen von Pelzkleidung und Schuhen, beim Schäften von Steininstrumenten, beim Hüttenbau, Bootsbau, beim Fesseln von Tieren, beim Transport von Hausgerät, und dergleichen mehr. Das aus Fell oder Sehnen hergestellte Bindegerät und die Nähfaden haben den großen Vorteil geboten, dass sie beim Trocknen stark schrumpften und dadurch fester binden. An dieser Stelle sei nur darauf hingewiesen, dass zum Beispiel die mancherlei Arten von Nähten, Kürschnernaht, unüberwindliche Naht, Steppstich usw. sowie die verschiedenen Schifferknoten bei etwaigen ethnografischen Vergleichen mit in Frage kommen könnten.

Viele Arbeiten, zu denen heute besonderes Gerät – wie Zangen, Schnallen, Pinzetten ("Klauen"), Nägel, Klammern, Knebel, Reifen, Schrauben und dergleichen mehr – gebraucht wird, sind früher wahrscheinlich mittels der Stricke und Schnüre aus elastischen Ruten hergestellt worden.

Wie der heutige Kürschner die Pelzstücke zusammennäht, muss der Leser sich praktisch vorführen lassen. Die Naht muss am noch nassen Fell geglättet werden. Als Nähfaden für feine Arbeit haben die Sehnen vom Rentier gedient, besonders der unverwüstliche Sehnenzwirn aus den oberflächlichen Zehenstreckern am Vorderfuss. Auch aus dem Nervus ischiadicus lassen sich gute Nähfäden herstellen. Die Fellstricke der Eskimo widerstehen der stärksten Kälte; sie zerbrechen selbst nicht bei einer Temperatur, in der Eisen splittert wie Glas.

Nähnadeln

Beim Nähen eines Felles hat immer in das Fell erst ein Loch vorgebohrt werden müssen, um die Knochennadel durchzustecken. Das kann mit einem Knochenpfriem geschehen.



Das Leder, als Schnürsenkel an Schuhen, Kleidern, Taschen und dergleichen benutzt, hat, heute noch wie ehedem, eine harte Spitze erfordert. Aus dichtem Knochen oder aus Rentierhorn ist die Herstellung mit Feuersteinwerkzeugen sehr schwer. Die Anfertigung beginnt mit dem Ausschaben von zwei längeren Knochenrinnen in der Längsrichtung des Knochens, durch die harte, äußere Wand desselben. Durch kleine, schmale, winklig gebogene Stichel wird dann auch nach die Spongiosa abgetrennt, bis das Knochenstück leicht von der Unterlage herausgehoben werden kann. Darauf wird das kantige Knochenstäbchen mit Feuersteinschabern rund geschabt oder auf Sandstein rund geschliffen. Kleine Hohlschaber aus Feuerstein hat man vielfach in den Knochenfundstätten aufgelesen. Die Knochennadel mit dem Öhr erscheint im späteren Aurignacien als Ersatz für den Pfriem, welcher lediglich das Loch vorbohrte. Damit muss eine Verbesserung der Bekleidung verbunden gewesen sein.



Fellkleidung

"Eine komplette arktische Garderobe zu nähen war eine höchst komplizierte und langwierige Arbeit. Sie erforderte nicht nur genügend handwerkliches Geschick, um Muster auszuschneiden und Säume zu nähen, sondern auch beträchtliche Kenntnisse, was die physikalischen Eigenschaften der Tierhäute anging. Von allen Überlebensstrategien, die die Inuit entwickelten, war die richtige Kleidung wahrscheinlich die wichtigste.

Gute Kleidung als Schutz gegen eine extrem harte Umwelt war die Grundvoraussetzung, ohne die der Mensch, ein nacktes und ursprünglich tropisches Geschöpf, niemals in der Arktis hätte überleben können. So ist es kein Wunder, dass sich die Verarbeitung von Tierhäuten im Lauf der Jahrhunderte zu einer raffinierten Technik entwickelte. Die Herstellung der mit Symbolik durchtränkten und tabubesetzten Kleidung war eine Aufgabe, die traditionsgemäß den Frauen zufiel.

Die Copper-Inuit-Frauen hatten ihre Nähutensilien immer bei sich, manchmal in einem kleinen Deckelkörbchen, das aus Gras und Weidenzweigen geflochten war. Das Nadelkissen, geradezu ein Emblem der Weiblichkeit, bestand aus einem von der Sonne gebleichten Röhrenknochen, durch jahrelangen Gebrauch glattpoliert und mit geometrischen Mustern verziert, die an die Tätowierungen der Frauen erinnerten. In der Röhre verlief ein Streifen Haut, durch den die kostbaren Kupfernähnadeln gezogen waren. Fingerhüte aus Haut oder Knochen waren außen angebracht, manchmal hingen sie auch an kunstvoll verzierten Fingerhuthaltern.

Ein weiteres wertvolles Werkzeug war das halbmondförmige Messer, der Ulu. Er gehörte so selbstverständlich zu einer Frau wie ihre eigenen Hände und wurde fast ebenso oft benützt: zum Muster-Ausschneiden, Fleisch-Schneiden, Essen, Sehnen-Aufschlitzen, Fell-Enthaaren. Einen Ulu zu verlieren war ein schlechtes Omen, aber es kann nicht allzu oft vorgekommen sein, wenn man bedenkt, wie entbehrlich dieses Werkzeug war.

Mit ihrem Ulu, ihren Nadeln, Ahlen und diversen Fellschabern ausgerüstet, verbrachte die Inuit-Näherin ihre Tage damit, Felle zu verarbeiten und Kleider daraus zu schneidern. Und nicht nur Kleider, sondern auch Frühlings- und Sommerzelte, Hundeharnische, Kajakbezüge, Robbenhautsäcke und -beutel – also fast alles, was aus Fell und Haut gemacht werden kann. Von der Heirat bis zum Tod musste eine Frau dafür sorgen, dass ihr Mann und ihre Kinder immer gut warm gekleidet waren, wobei sie alle Fertigkeiten anwandte, die sie von ihrer Mutter gelernt hatte und ihrerseits an ihre Tochter weitergeben würde.

Mit welchem Eifer diese weiblichste aller Künste betrieben wurde, zeigt ein erschütternder Fund, der vor kurzem an der Westküste Grönlands gemacht wurde – die Leiche einer Frau mittleren Alters, vollständig mumifiziert in der trockenen, eisigen Luft der kleinen Grabhöhle, in der sie gefunden wurde. Die Frau war ganz offensichtlich blind gewesen und unter großen Schmerzen an einem bösartigen Gesichtstumor gestorben, und doch zeigten Schnittspuren auf ihrem linken Daumennagel, dass sie mit Sicherheit noch wenige Tage vor ihrem Tod damit beschäftigt war, Sehne für Nähfaden aufzuschlitzen.

Im Spätherbst gab es für die Inuit-Näherinnen am meisten zu tun. Die Winterkleidung musste fertig sein, bevor die lange Winternacht begann und die Menschen vom Land auf das Meereis hinauszogen – also im allgemeinen irgendwann im Dezember. Von da an bis zu dem Tag, an dem die Sonne wiederkehrte, also im späten Januar, durften keine neuen Kleider mehr genäht werden (alte durften allerdings ausgebessert werden). Niemand wagte es, dieses Verbot zu missachten, denn das konnte katastrophale Folgen haben: Es hätte die Geister gekränkt und das ganze Dorf ins Unglück gestürzt. Im Spätherbst gibt es in der Arktis allerdings nur noch wenige Stunden Tageslicht, und bei Lampenlicht zu nähen bedeutete, eine zusätzliche Anstrengung für die Näherin, die ohnehin schon geplagt genug war.

Wenn irgend möglich, wurden die meisten Kleidungsstücke aus Karibufell gemacht. Mit seinen Hohlhaaren ist es das wärmste bisher gekannt gewordene natürliche Material, weich und sehr leicht. Das Karibu lieferte auch einen ausgezeichneten Nähfaden, der aus den Sehnen der Rückenmuskulatur gemacht wurde. Diese Sehnen wurden sorgfältig aus dem Fleisch herausgelöst, dann getrocknet und zusammen gedreht, so dass ein nahezu unzerreißbarer Faden daraus entstand.

Bei den Copper Inuit wurden die Häute weder gefärbt noch chemisch verändert. Statt dessen wurde das Fett säuberlich abgeschabt und das Fell mit der Haarseite nach unten auf den Boden gelegt. Löcher wurden geflickt, Blutflecken mit trockenem Schnee ausgewaschen und die ganze Innenseite mit einem scharfen Kupferschaber bearbeitet, bis sie ganz weich und von den letzten Resten der inneren Membran oder Oberhaut befreit war. Um die Haut noch weicher zum machen, wurde sie dann befeuchtet, zusammengefaltet, ein paar Stunden liegengelassen und mit einem stumpfen Knochenschaber ausgekratzt. Jetzt konnte man die Haare abrasieren, wenn man wollte, aber meistens wurden sie der Wärme wegen drangelassen.

Die Qualität der Karibuhäute änderte sich mit den Jahreszeiten. Im Spätsommer und Frühherbst – August bis Ende September – sind sie am besten. Zu Beginn des Jahres sind sie praktisch wertlos, dann da werfen die Tiere ihren Winterpelz ab, und das Haar fällt in ganzen Büscheln aus. Auch waren die Frühjahrshäute oft voller Löcher von Parasiten, die sich ihren Weg ins Freie gebohrt hatten. Die Copper Inuit machten ihre Kleider am liebsten aus den Fellen, die sie im August erbeuteten. Da diese Felle verhältnismäßig leicht und kurzhaarig waren, galten sie als besonders elegant und vornehm. Sie waren jedoch nicht besonders warm, weshalb die schweren Winterparkas und Winterhosen der Männer im allgemeinen aus den dickeren Septemberfellen gemacht wurden. Frühe Winterfelle sind noch schwerer und wurden meistens nur für Bettzeug, Windeln und manchmal auch Handschuhe benützt. Aus den weichen Fellen sehr junger Tiere wurden Kinderkleider gemacht.

In einigen Gebieten der Arktis gibt es nur wenige oder gar keine Karibus, zum Beispiel auf den Inseln in der Beringstraße oder auf den Belcher Islands in der Mitte der Hudson Bay. Obwohl man keine Mühe scheute, die nötigen Felle einzutauschen, war die Nachfrage oft größer als das Angebot. Es brauchte dann viel Phantasie, um einen Ersatz zu finden. Die Leute auf den Belcher Islands zum Beispiel machten ihre Winterkleidung aus den Bälgen von Eiderenten, die sie mitsamt den Federn benützten. Die Kleider waren fast so warm und leicht wie Karibuhäute, aber sehr brüchig und schwer zu nähen.

An der Westküste der Victoria Islands und in ein paar anderen Gegenden, die besonders bärenreich sind, trugen die Männer manchmal Hosen aus Eisbärenfell. Sie waren warm und ziemlich leicht, aber steif und daher nicht besonders bequem. Trotzdem haftete ihnen ein gewisses Prestige an, denn sie verrieten, dass der Träger einen Eisbären getötet hatte. Eisbärenfell ist stark wasserabstoßend und wurde deshalb auch für Handschuhe benützt, als Fußunterlage für die Robbenjagd am Atemloch oder als Lappen zum Auftragen der dünnen Eisschicht auf die Schlittenkufen.

Moschusochsenhaut war viel zu zottig und schwer und taugte höchstens für grobe Zwecke – als Matratze zum Beispiel oder als Unterlage für die Schlittenfracht. Nur selten oder in Notfällen wurde ein schwerer und nicht sehr brauchbarer Parka daraus gemacht.

Die Inuit verschwendeten nichts, und jede Tierhaut wurde für irgendetwas verwendet. Kinderkleider, Beutel, Socken, Stiefelbesätze und Handschuhe wurden aus weichen Lemming- oder Erdhörnchenfellen gemacht. Fuchsfelle wurden manchmal zu eleganten Aussenparkas verarbeitet. Wolfs-, Hunde- und Vielfraßfelle dienten hauptsächlich als Besatz, besonders an Parkakapuzen, da sie frostabweisend waren. Kaninchenhäute, die für die meisten anderen Zwecke zu brüchig waren, wurden zu Windeln, Handtücher oder Socken verarbeitet. Aus Schneehuhnbälgen samt Federn wurden Handtücher gemacht, und Seetaucherhäute dienten als Wedel, mit denen im Sommer die Moskitos verjagt wurden.

Nur das Fell des Seehunds hatte eine ähnliche Bedeutung wie das des Karibus. Es ist leicht und sehr stark, trägt sich gut und bietet den unschätzbaren Vorteil, dass es wasserdicht gemacht werden kann. Leider ist es nicht besonders warm und wurde daher hauptsächlich für die Sommerkleidung – wasserdichte Stiefel und Regenjacken – sowie für Kajak- und Zeltbespannungen und Beutel und Eimer benützt.

Robbenfelle wurden im wesentlichen nach demselben Prinzip verarbeitet wie Karibuhäute. Das Fell wurde gesäubert und die Innenseite von der Epidermis befreit. Nachdem man es gründlich mit Wasser und Schnee gewaschen hatte, wurde es weichgeschabt und oft noch zusätzlich weichgekaut.

Robbenfelle sind besonders steif, und es braucht eine Menge Handarbeit (und Zahnarbeit), um es weich zu bekommen. Für viele Zwecke werden die Haare entfernt, indem man die Haut in warmes Wasser einweicht und dann mit einem Messer abgeschabt. Oft tauchte man die Felle auch in Urin, um sie wasserdichter zu machen.

Obwohl es manchmal für Stiefelsohlen verwendet wurde, war das Fell der großen Bartenrobbe zu schwer für die meisten Kleidungsstücke. Dafür gab es jedoch extrem strapazierfähige Riemen ab, die für Hundeharnische verwendet wurden oder zum Verschnüren von Schlitten. In vielen Gegenden der Arktis wurden die Häute von Bartenrobben, Belugawalen und Walrossen für Bootsbespannungen benutzt. Aus den Gedärmen von Walrossen und Walen wurden Zelt- und Hausfenster gemacht, sowie die wasserdichten Ganzpelze, die die Kajaker auf hoher See trugen.

Die Inuit mussten höllisch aufpassen, dass sie ihre Kleidung nicht nass machten. Da die Häute nicht chemisch gefärbt und behandelt waren, wurden sie beim Trocknen bretthart. Im Winter wurden daher die äußeren Kleidungsstücke schon im Eingang abgelegt und nicht in den eigentlichen Wohnraum mitgenommen. Jedes Kleidungsstück nimmt Körperfeuchtigkeit auf, die in der Arktis zu einer Art Rauhreif gefriert und sich zwischen den Schichten festsetzt, bei Fellkleidung sogar in den einzelnen Haarfollikeln. Wenn nichts dagegen getan wird, bauen sich dieser Frost und Feuchtigkeit von Tag zu Tag mehr auf, bis die Kleider praktisch unbrauchbar geworden sind, wie viele europäische Arktisforscher am eigenen Leib erfahren mussten. Die Inuit ließen deshalb ihre Kleider im Eingangstunnel hart frieren und klopften den Frost heraus, wobei sie ein spezielles Holz- oder Geweihpaddel benutzten. Dann wurden die Kleider hereingebracht und über der Lampe auf ein Trockengestell gehängt.

Manchmal war es allerdings unmöglich, die Kleidung warm zu halten, besonders Stiefel im Sommer. Am nächsten Tag waren sie unweigerlich wieder steinhart. Kauen war die einzige Möglichkeit, sie wieder weich zu bekommen – daher das weit verbreitete Klischeebild von der Inuit-Frau, die auf den Stiefeln ihres Mannes herumkaut. Es ist ein Klischee, das durchaus der Wahrheit entspricht, und die Arbeit, die es dokumentiert, war mühsam und langwierig. Wenn eine Inuit-Frau ins Greisenalter kam, waren ihre Zähne von den unzähligen Stunden Lederkauen oft bis auf den Gaumen abgewetzt."


Weiterführende Literatur:
Der Abschnitt "Fellkleidung" ist ein Auszug aus dem Buch:
Eskimo von David Morrison und Georges-Hébert Germain
Frederking&Thaler Verlag GmbH, München 1996.
Dieses Buch ist grundsätzlich zu empfehlen. Es beschreibt gut bebildert und eindringlich das Leben der Inuit, als diese noch Jäger waren. Ein Vergleich zu eiszeitlichen Jägern liegt sehr nahe.

Die Gletschermumie vom Ende der Steinzeit aus den Ötztaler Alpen
mit Beiträgen von Markus Egg, Roswitha Goedecker-Ciolek, Willy Groenman-van Waateringe, Kondrad Spindler
Sonderdruck aus Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 39/1992 Mainz 1993
Mit das beste Buch, was über Ötzi und dessen Kleidung informiert (noch ohne die Pfeilspitze im Rücken des Mannes).

Spirit of Siberia (Engl.)
Traditional Native Life, Clothing and Footwear
Jill Oakes and Rick Riewe
1998 Bata Shoe Museum Foundation Toronto Canada and Smithonian Institution Press, Washington D.C. USA
ISBN 1-56098-801-0
Was man über rezente nordrussische Naturvölker weiß, es aufschrieb und fotografierte. In Englisch.

Unten stehender Link auf den Dokumentarfilm des National Film Board of Canada über die Herstellung sogenannter "Bottes sauvages" Lederstiefel aus 1980. Sprache Französisch.

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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      In/Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 20 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Anspruchsvoll ⎮ Zeitraum: 1-2 h ⎮ Material: Bohrer, Schnur, Knochen, Geweih, Muscheln und Speckstein ⎮

Schmuck

Zu diesem Thema bieten sich vielfältige Möglichkeiten. Sich zu schmücken ist ein Grundbedürfnis des Menschen seit Urzeiten. Selbst Orang-Utans machen das. Aber lassen wir das. Man nehme irgend einen Gegenstand natürlichen Ursprungs und mache eine Befestigungsschnur daran. Das Gebinde wird um den Hals gehängt, da sich derselbige sehr schön dazu anbietet. Wir Menschen gehen aufrecht und bieten einem gefälligen Betrachter unsere gesamte Vorderseite. Was wir dort erblicken, kann uns erfreuen oder auch nicht, abgesehen vom Gesichtsausdruck, Körperhaltung oder Frisur.

Schmuck in Form von Farbe und Gegenständlichkeit erhöht die sinnliche Wirkung eines möglichen Gegenübers, vielleicht auch das eigene Ego. Etwa bei Kriegsrüstungen, Priestern, Frauen oder Karneval. Die Art der Ausführung des Schmucks kann den sozialen Status des Trägers anzeigen. Bedingt durch den ideellen Wert der Gegenstände oder durch den Aufwand, diese Gegenstände zu bekommen. Auch die Form der Verarbeitung spielt eine Rolle. Schmuck kann Identitätsstiftend sein, etwa bei IPHONE-Usern oder das Tragen von Bayerischen Lederunterhosen. Massenware Schmuck ist beispielsweise die Armband-Uhr. Sie beinhaltet eigentlich alle Faktoren, wobei die Funktion als Zeitmesser eher sekundär erscheint.

Doch wir schweifen ab. Kommen wir jetzt zu etwas gänzlich anderem. Schmuck, das Wort kommt von "Schmieden". Steinzeit: Das waren Muscheln, Zähne, Perlen, Steine, Geweih, Knochen, Haare, Farbe, Figuren, Ketten, Anhänger, Applikationen, Tattoos, Ehefrauen, Ehemänner, pucklige Verwandtschaft, Köter, fette Höhlen, geile Bögen, mega Kleidung usw. Da ist man frei. Yo man. Mann wurde in der Steinzeit im Lauf der Zeit immer brauner, auch die Klamotten, die Gegenstände, das Umfeld. Knochen und Geweih bleiben weiß und heben sich wohltuend vom braunen Biotop ab. Kann man schon mal machen. Richtig schwierig ist es, Edelstein zu schleifen und zu polieren. Macht aber Spaß. Alles in allem appelliere ich an die Kreativität eines jeden, sich da etwas auszudenken. Nicht auszudenken, wenn das jeder machen würde.

Link auf YouTube Blumammu Eiszeitjäger

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      ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 8 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Anspruchsvoll ⎮ Zeitraum: 1-2 h ⎮ Material: Baum, Feuersteinbeil ⎮

Baum fÄllen

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So ähnlich haben die Steinzeitmenschen wohl gesprochen, und zwar, wie oben, nur die Briten. Interessant. Bäume fällen und das nötige Werkzeug dazu war ein wesentlicher Bestandteil jungsteinzeitlichen Lebens. Man benötigte Lichtungen in Wäldern um Pflanzungen anzulegen, Raum für Hausbauten, Wege und möglicherweise ja auch Platz für Fußballplätze. Wer weiss.

Das Prinzip des Baumfällens ist das Gleiche wie heute. Der untere Teil des Baumstammes, welcher scheinbar als meist rundlicher Stab in unterschiedlicher Dicke aus dem Boden wächst, wird mittels eines schneidenden Werkzeugs rundherum reduziert, so dass nach einer bestimmten Zeit der Stamm so dünn wird, das er den oberen Teil des Baumes nicht mehr trägt und dieser kippt. Die Fallrichtung kann bestimmt werden. Auf diese Art fällt auch der Biber Bäume. Er nagt so lange eine Kerbe, bis der Baum fällt. Damit nimmt er sich aber reichlich Zeit. Die Menschen haben das lange beobachtet und sich intensiv mit diesem Biber, nennen wir ihn Justin, unterhalten. Der sagte: "Der Biber fällt einen Baum so weit über dem Boden, wie er sich aufrichten kann. Der Biber fällt nicht weit vom Stamm. Im Herbst fällen die Biber. Regen fällt auch. Biberfälldecke?" Seine Antwort gefällt mir.

Der postfaktische Mensch der damaligen Zeit hatte keine Säge oder Schneidezähne wie ein Biber, aber ein Beil. Das war ein Stein, welcher in eine walzenförmige Form geschlagen, geschliffen oder gepickt wurde und an einem Ende durch eine längliche scharfe Schneide vollendet wurde. Diesen Stein setzte man in ein Loch am oberen Ende eines dickeren Holzstabs, dem Holm, mit der Schneide nach vorn parallel zum Holm. Diese Konstruktion wurde fixiert und man konnte so Holz schlagen. Ein Steinzeitmann fällte den Baum auf Hüfthöhe, nicht knapp über dem Boden. Da blieben dann die Stümpfe so etwa 1 bis 1,50m hoch stehen. Entweder, man ließ sie dort oder holte sie mit den Wurzeln raus. Was für harte Jungs! Klappte oft nicht, Beile brachen, Wetter war Schit, keine Lust.

Es ist eine mühselige und langwierige Angelegenheit, einen Baum auf diese Art zu fällen. Je nach Dicke des Stammes kann das Stunden dauern, Tage, Wochen (nicht wirklich ;). Da lohnt es sich, mit 2 Leuten zu fällen. Das verkürzt die Arbeitszeit um einiges. Entweder abwechselnd oder mit zwei Beilen. Es fliegen die Fetzen, denn das Beil trennt die Holz-Fasern. Man hackt und spaltet und trennt Spane. Nicht ungefährlich. Wie alles in der Steinzeit.

Link auf YouTube Blumammu Baumfällen

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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      In/Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 8 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Anspruchsvoll ⎮ Zeitraum: 1h ⎮ Material: Schamane ⎮

Schamanismus

"Der International gebräuchliche Terminus "Schamane" ist mandschu-tungusischen Ursprungs und gelangte über das Russische in den ethnologischen Wortschatz. Das ursprüngliche tungusische Wort "saman" (xaman) leitet sich von dem Verb "scha = wissen" her, "schaman" heißt also jemand, der weiß, wissend, ein Wissender ist. Nach manchen etymologischen Erklärungen kam das Wort aus dem Sanskrit durch chinesisch-buddhistische Vermittlung ins Mandschu-Tungusische. (Im Pali bedeutet "schamana", im Sanskrit "sramana" soviel wie "buddhistischer Mönch, Asket". Der Zwischenterminus lautet im Chinesischen "sha-men.) Bei den sibirischen und zentralasiatischen Völkern erhielt sich natürlich auch die örtliche Benennung des Schamanen. Sie war bei den altaischen Türken "kam", bei den Jakuten "ojon" (und für eine Schamanin "udujan"), bei den Burjaten "böö", den Mittelasiaten "bakshi", den Samojeden "tadibe", den Lappen "noita", den Finnen "tietöjö" und den Ungarn "taltos".

Die ersten Zeugnisse schamanischem Wissens finden wir in Felszeichnungen und Höhlenmalereien der Steinzeit. Die verschiedenen Zeichnungen und Abbildungen in Höhlen weisen darauf hin, daß die Künstler ähnliche Bewußtseinsstufen durchliefen, wie wir sie heute selbst noch erleben können.

Wahrscheinlich können wir davon ausgehen, daß sich unser Nervensystem und unser Bewußtsein gar nicht so sehr von den Wahrnehmungen und Fähigkeiten dieser paläontologischen Menschen unterscheidet. Man kann sich das Bewußtsein als eine Art Kontinuum vorstellen, an dessen einem Ende, das klare, rationale, logische Wachbewußtsein steht und an dessen anderen Ende die tiefe Trance anzusiedeln ist. Diese Phase geht mit starken visionären Bildern einher. Ich verwende daher den Begriff visionäre Bilder, um diesen Zustand zu beschreiben, denn der Begriff Halluzinationen zielt mehr auf die Unwirklichkeit und Täuschungscharakter dieser Bilder ab.

Die neuropsychologische Forschung geht heute davon aus, daß man im wesentlichen drei ineinander übergreifende Phasen unterscheiden kann. Diese müssen nicht zwangsläufig durchlaufen werden, auch kann ihre Reihenfolge variabel sein. Zu Beginn der Trance treten häufig geometrische Formen wie Punkte, Zickzackstreifen, Gitter, Reihen paralleler Linien, gebündelte Kurven, etc., auf. Sie können leuchtende Farben annehmen, flimmern, vibrieren, sich ausdehnen oder zusammenziehen oder miteinander vermischen. Man könnte dies als erste Stufe der Erkenntnis deuten, daß alles - wie es die Auffassung im schamanischen Weltbild ist - belebt ist und dies mit der Analogie des Ein- und Ausatmens (dehnen-zusammenziehen) verbindet.

In einigen südamerikanischen Kulturen weist man manchen dieser geometrischen Figuren einen Bedeutungsgehalt zu. So deuten die Tukano-Indianer zum Beispiel eine Reihe aus strahlenden Punkten als Milchstraße. Die Milchstraße besitzt im kosmologischen Verständnis der Tukano eine herausragende Rolle, denn sie stellt das Ziel vieler schamanischen Reisen dar. Gebündelte bogenförmige Linien sind bei den Tukano im Zusammenhang mit einigen ihrer Mythen zu sehen. Sie können so einerseits zum Beispiel als Regenbogen gedeutet werden, andererseits aber auch den Penis des Sonnengottes repräsentieren. Wie man anhand dieser Beispiele erkennen kann, kann man nicht dichotom einer Form eine bestimmte Bedeutung zuweisen, sondern ist abhängig vom jeweiligen Kontext und damit vielfältig.

In der zweiten Phase der Trance verleiht der Reisende also diesen geometrischen Wahrnehmungen eine gefühlsmäßige oder religiöse Bedeutung. Auch die momentane emotionale Verfassung der Person hat einen Einfluß auf die Wahrnehmung und die Variation der Gegenstände (set und setting).

Den Beschreibungen von Trancereisenden zufolge kommt man in der dritten Phase zu einer Art Strudel oder Tunnel, in den man hineingezogen wird. Am Ende dieses Tunnels erstrahlt ein helles Licht. Die Seiten dieses Tunnels können mit den schon beschriebenen geometrischen Formen geschmückt sein. Auch Menschen und Tiere, andere Wesen oder Gegenstände können in diesen Mustern auftauchen. Wenn man den Tunnel am Ende verläßt, findet man sich in der Anderswelt mit ihren Wesen und Bewohnern wieder. Auch der Mensch selbst kann sich hier (anscheinend) in einen Vogel oder andere Tiere verwandeln.

Diese drei Phasen scheinen allen Menschen gemeinsam zu sein und ihre Grundlage in der Funktionsweise des Nervensystems zu haben. Der jeweilige Inhalt allerdings variiert kulturspezifisch. Denn die kulturbedingten Erwartungen beeinflussen den Charakter der visionären Bilder. Während ein südamerikanischer Schamane wohl häufiger einen Jaguar oder eine Schlange erblicken wird, sieht ein Inuit wohl eher Eisbären oder Robben. Die dahinterliegende Erfahrung und das zugrundeliegende Verständnis bleibt jedoch das Gleiche.

So unterscheiden sich die Kulturen auch darin, ob es einen berufenen Schamanen in herausragender Stellung gibt oder ob sich viele auf diesen Weg begeben können. Bei den Jivaro-Indianern in Südamerika versuchen junge Männer selbst die Fähigkeiten zu erlangen, um in die Welt der Geister zu reisen. Zu diesem Zweck begeben sie sich zu einem als heilig verehrten Wasserfall. Auf diese Reise kann sich schon ein sechsjähriger Junge in Begleitung seines Vaters begeben. Durch das beständige tau, tau, tau Rufen, sowie das unaufhörliche Rauschen des Wasserfalls kann sich nach wenigen Tagen eine Vision einstellen. Zusätzlich kann dieser Prozeß durch die Einnahme bestimmter Pflanzen unterstützt werden. Übernatürliche Macht erhält der Suchende durch einen tsentsak, eine Art unsichtbarer Pfeil, der in den Körper des Initianten eindringt. Mit diesen tsentsak können die Schamanen jemanden heilen oder krank machen. Die Vorstellung dieser Pfeile könnte möglicherweise dem Gefühl des Kribbelns oder Zitterns während der Trance, den begleitenden körperlichen Empfindungen, nachempfunden sein. Die von einem Jivaro angefertigete Zeichnung eines solchen tsentsak weist große Ähnlichkeit mit den leuchtenden Zick-Zack-Linien und den geometrischen Zeichen aus der ersten Trancephase auf (Harner, 1984). Die Geisterwelt ist überall im Leben der Jivaros präsent. Auch den Hunden werden für die Jagd bestimmte Substanzen gefüttert, so daß auch ihnen der Kontakt mit den Geistwesen ermöglicht wird. Der Schamananismus durchdringt also alle Lebensbereiche der Gesellschaft und formt die Gedankenwelt seiner Mitglieder.

Der schamanische Kosmos ist überall auf der Welt in mehreren Ebenen angeordnet. Die einfachsten Entwürfe gehen von einer Dreiteilung aus. Es gibt die mittlere Ebene, den Bereich des alltäglichen Lebens. Darunter gibt es die Unterwelt und darüber die Oberwelt, die himmlischen Spären. Die Schamanen sind die Vermittler zwischen diesen Welten. In vielen Kulturen sind diese Bereiche nochmals mehrfach untereilt."

Aus: Hoppal, Mihaly
Schamanen und Schamanismus
Augsburg: Pattloch, 1994
ISBN 3-629-00646-9

Link auf YouTube Blumammu Schamane

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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 8 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Anspruchsvoll ⎮ Zeitraum: 1-2 h ⎮ Material: Hirsch, Feuerstein ⎮

Hirsch zerwirken

Ein mittelschwerer Dammhirsch von ca. 25kg wird vom Züchter erschossen, ausgenommen und in einer Kühlkammer gelagert. Ein Veterinär macht eine beglaubigte Fleischbeschauung und danach kann der komplette Körper des Tieres, ohne die Kühlkette zu unterbrechen, zum Verbraucher. So ähnlich geht das auch mit Kühen, Bullen und Schafen.

Mittels Feuersteinabschlägen werden die Läufe vom Körper getrennt. Dann trennt man den Kopf vom Rumpf mit einem Schnitt hinter der Ohren durch Wirbelsäule und Kehle. Es erfolgt das Ausschlagen aus der Decke, also dem Fell. Die Keulen werden abgetrennt, dann der Brustkorb seitlich auseinander gebrochen. Vorsichtig werden die Filets von der Innenseite der Wirbelsäule herausgetrennt, die Koteletts vom Rücken. Alles mit Feuersteinklingen. Dies alles passiert in ca. 1/2 h. Das Tier hängt entweder oder liegt auf einer Plane. Die Teile werden in Wannen deponiert, sortiert nach Gebrauchsfleisch und Kopf/Knochen/Fell/Läufe. Der weitere Verbleib ist entweder die Kühltruhe oder die Verarbeitung zu Braten, Goulasch etc. bis hin zu Wildfond, bzw. dem Gerben des Fells oder das Zerlegen des Kopfes.

Weiterführende Literatur, nicht nur über die Hirschzerlegung:
Die Technik der Steinzeit
und ihre Beziehungen zur Gegenwart
Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeit
von Dr. Ludwig Pfeiffer (Geh. Med.-Rat in Weimar)
Jena / Verlag von Gustav Fischer 1912

Unten stehender Link im Mammut auf den Dokumentarfilm des National Film Board of Canada über die Winterjagd zweier indigener Familien in der Provinz Quebec aus 1974. Sprache Französisch.

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      Altsteinzeit ⎮ Mittelsteinzeit ⎮ Jungsteinzeit ⎮

      In/Outdoor ⎮ Gruppenstärke: 10 ⎮ Alter: 3-60 ⎮ Challenge: Mäßig ⎮ Zeitraum: 1h ⎮ Material: Trommel, Flöte, Rassel, Horn, etc. ⎮

Musik

Ähnlich wie Schmuck muss die Musik ein Kulturbestandteil der Steinzeit gewesen sein. Singen, klopfen oder irgend etwas rhythmisch bewegen war wohl in Zusammenhang mit Tanz durchaus gängig.

Funde aus dieser Zeit sind relativ spärlich. Entscheidend ist der gute Wille. Wie so oft haben die Schwaben die älteste Frauenfigur der Welt und das älteste Knochen-Musikinstrument, eine Knochenflöte. Wahrscheinlich auch die älteste Trommel und die älteste Rassel und das älteste Selbstvertrauen der Welt.

Kommen wir zum Wesentlichen. Bewiesene Steinzeitmusik war demnach bislang der Klang der Flöte. Und nimmt man dazu die Trommel, also einen Schwing- oder Hohlkörper und das Schwirrholz dazu, kann man schon was leisten. Rasseln wie oben angedeutet oder ähnliches ergeben ein offenes Feld. Wieder kommt die Fiktion, die Illusion unserer jetzigen Vorstellung der Steinzeit zum Zuge. Jede Generation hat da so seine Surrealitäten in der Form der Darbringung. Wie es wirklich war, weiss kein lebender Mensch. Ebenso gut könnte man die Poesie anführen, Gedichte, Epen, Sagen. Nichts von all dem. Was wird man von uns sagen, berichten, nachmachen?

Weiterführender Tonträger:
>> CD Knochenklang

Austrian Academy of Sciences Press
A-1011 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2

Link auf YouTube Blumammu Stoneage

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